Wunder-Punkt : Drogenbus am Kotti bekommt Gesundheitspreis

Der Verein Fixpunkt hat am Montag für sein mobiles Behandlungsteam für Drogenabhängige am Kottbusser Tor den Gesundheitspreis erhalten. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert.

Patricia Hecht
Fixpunkt
Fixpunkt. Krankenschwester Doreen Böttcher vor dem Bus am „Kotti“. -Foto: Heerde

BerlinDer beige Rettungsbus, der drei Mal wöchentlich für einige Stunden am Kottbusser Tor parkt, ist nur mit dem Nötigsten ausgestattet: Eine Liege für die zumeist schwer drogenabhängigen Patienten, einige Schubladen mit Verbandsmaterial, eine Digitalkamera und ein Laptop. Hier kommen Menschen her, die auch ohne Krankenversicherung ihre Wunden behandeln lassen können. Für die langfristige und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Patienten im mobilen Gesundheitsbus hat der Verein Fixpunkt gestern den mit 10 000 Euro dotierten Ehrenpreis des Berliner Gesundheitspreises bekommen.

Thema des Preises, der alle zwei Jahre von AOK und der Berliner Ärztekammer an bundesweite Projekte vergeben wird, war diesmal Adhärenz – also die Einhaltung der von Arzt und Patient gemeinsam gesetzten Therapieziele. „Wir haben Projekte gesucht, die Patienten aktiv in die Behandlung einbinden und die dabei Erfolge verbuchen können“, sagt Sybille Golkowski, Sprecherin der Berliner Ärztekammer. Beides kann Fixpunkt: „Gerade bei unserer Klientel ist es wichtig, den Leuten auf Augenhöhe zu begegnen und sie so bei der Stange zu halten“, sagt die Krankenschwester Doreen Böttcher, die mehrmals wöchentlich im Gesundheitsbus am Kotti arbeitet.

Der Erfolg stellte sich bald ein: Seit der Verein vor zwei Jahren begonnen hat, nach dem Konzept der Modernen Wundbehandlung zu arbeiten, kämen die Patienten um die Hälfte regelmäßiger zu Folgeterminen, sagt Fixpunkt-Geschäftsführerin Astrid Leicht. Fixpunkt ist seit 1993 mit niedrigschwelligen Präventions- und Behandlungsangeboten am Kottbusser Tor. Früher sei es insbesondere darum gegangen, akute Fälle zu behandeln, sagt Böttcher. Weil die Patienten jedoch älter werden und damit häufig schon länger von Drogen abhängig sind, verändern sich auch die Probleme. Mittlerweile, so Böttcher, komme ein Großteil der Leute wegen chronischer Probleme. Fixpunkt reagierte: Böttcher und eine Kollegin ließen sich zu Wundmanagerinnen ausbilden. Nun dokumentieren sie mit Digitalkamera und Laptop die Heilung, klären den Patienten über verschiedene Behandlungsmöglichkeiten auf, beziehen ihn in die Versorgung mit ein und bauen so ein Vertrauensverhältnis auf.

Genau das ist momentan allerdings ein Problem: Während noch bis Anfang des Jahres bis zu 30 Patienten täglich zur Behandlung kamen, nehmen momentan meist weniger als 15 Abhängige das kostenlose Angebot in Anspruch. Nach der wieder aufgeflammten Diskussion über den Druckraum in der Dresdner Straße, den Fixpunkt betreibt und in dem sich Junkies unter hygienischen Bedingungen spritzen können, und wegen der inzwischen verstärkten Polizeipräsenz, trauten sich viele Patienten auch nicht mehr zu den mobilen Angeboten, sagt Fixpunkt-Geschäftsführerin Astrid Leicht. Momentan sei man noch im Gespräch mit Senatsverwaltung und Bezirk, wie die Situation in Zukunft gehandhabt werden könne. Ende Juni muss Fixpunkt aus den Räumen in der Dresdner Straße ausziehen. Vorher sollen Pläne bekannt gegeben werden, wie es weiter geht.

Der Gesundheitsbus soll jedenfalls am Kottbusser Tor bleiben, sagt Astrid Leicht: „Wir würden das Preisgeld gerne dazu verwenden, das Wundversorgungsangebot auszubauen.“ 

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