Berlin : Wunderkind im Ring

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Von Jörg Petrasch

Muzaffer Tosun ist im Ring ein harter Kämpfer. Neben Klaus Böger aber, Senator für Bildung, Jugend und Sport, wirkt er fast wie ein Schuljunge. Noch mehr, als Böger Tosun lobt: „Sie haben den Hauptschulabschluss, und das ist auch okay.“ Die Verbindung von Sport und Schule ist dem Senator besonders wichtig. Aber deswegen wurde der 27-jährige Türke am Donnerstag nicht ins Berliner Rathaus eingeladen. Tosun, den alle nur bei seinem Künstlern „Muci“ rufen – was so viel wie Wunderkind heißt – ist Weltmeister im Kick-Boxen. Am 22. Juni gewann er den Titel bis 61 Kilo in der Eissporthalle Neukölln – schon nach sieben von zwölf Runden. Für Berlin ist dieser WM-Titel der erste im Kick-Boxen seit zehn Jahren. Dafür wurde Tosun geehrt, vom Sportsenator mit Buchgeschenk und vom Türkischen Bund Berlin-Brandenburg (TBB).

Für den Geschäftsführer des TBB, Kenan Kolat, ist Tosun ein gutes Beispiel einer gelungenen Integrationsarbeit: „Ein türkischer Sportler, der sich als Berliner sieht.“ Zudem strebt Tosun die deutsche Staatsbürgerschaft an. Der Antrag läuft bereits. „Warum nicht, ich bin ja hier geboren“, sagt Tosun, dessen Frau Deutsche ist.

Aufgewachsen ist Muci in Kreuzberg. Mit 15 hat er das Kick-Boxen angefangen. Aber nicht, weil er sich als Jugendlicher auf der Straße prügeln musste. Die Kampf-Filme mit Jean-Claude Van Damme haben ihn damals fasziniert. „Die Ästhetik“, sagt Tosun. Das wollte er auch mal ausprobieren. Schnell stellten sich Erfolge ein: Berliner Meister, Deutscher Meister, Europameister. 1997 wechselte er dann ins Profi-Lager, wurde zwei Jahre später Europameister und in diesem Jahr Weltmeister bei der „World Kickboxing & Karate Assciation“ (WKA). Wie beim Boxen gibt es auch hier mehrer Verbände.

Kick-Boxen ist eine Mischsportart, die in den 70er Jahren aus den USA nach Deutschland gekommen ist. Dabei sind Fußtritte (Kicks) und Faustschläge (Boxen) erlaubt, innerhalb gewisser Regeln natürlich. In Berlin gibt es derzeit sieben Vereine mit etwa 1000 Mitgliedern. Fast die Hälfte davon sind Jugendliche unter 18 Jahren. Außerdem ist die Sportart unter Türstehern sehr beliebt, weil sie extrem hart und wirkungsvoll ist.

Ernsthafte Verletzungen hat Tosun noch nicht davongetragen, nur drei Nasenoperationen. „Aber das lag nicht nur am Boxen, meine Nasenscheidewand ist sehr empfindlich.“ Bis er 32 ist, will der Berliner noch als Profi kämpfen und sich dann ganz dem Trainerjob widmen. Allerdings hat er bis dahin noch einiges vor. Denn ein WM-Titel ist ihm nicht genug. Er will noch zwei weitere: im Vollkontakt Kick-Boxen und im Thai-Boxen. „Das ist ähnlich“, sagt Tosun, „das kann ich auch“. Als dreifacher Weltmeister könnte er dann abtreten. Das ist sein großes Ziel. Und als wenn das alles nicht schon genug wäre, boxt Muci seit vier Jahren auch noch bei Hertha BSC in der 1. Bundesliga. 1998 hat er erst mit dem „normalen“ Boxen angefangen und wurde sofort verpflichtet. Den Faustkampf hatte er natürlich drauf – sein Kick-Box-Trainer ist gleichzeitig türkischer Nationaltrainer im Boxen. Aber ob er im Ring nicht ab und zu mit dem Bein zucke? „Nein, natürlich nicht“, sagt Tosun, „das fragen aber alle.“ Warum wohl?

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