Zanders Obdachlosenfeier : Mit Herz und Gänsekeule

Etwa 3000 bedürftige Menschen folgten Frank Zanders Einladung, seine Weihnachtsgäste zu sein. Von prominenten Helfern wurden sie bewirtet.

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Es ist serviert. Entertainer Frank Zander nahm sich viel Zeit für seine Gäste, die er traditionell kurz vor Weihnachten zum Gänsebratenessen eingeladen hatte.
Es ist serviert. Entertainer Frank Zander nahm sich viel Zeit für seine Gäste, die er traditionell kurz vor Weihnachten...Foto: Ralf Mueller/DAVIDS

Am Ende des Tages sind alle satt und ein bisschen glücklicher als zuvor. Aber bis dahin ist viel zu tun. In der Festhalle des Estrel Convention Centers laufen um 10 Uhr schon die Vorbereitungen. In dem Saal, in dem normalerweise Firmenkongresse und Parteitage stattfinden, decken rund 170 Freiwillige in gelben T-Shirts 300 Tische ein. Andere verteilen Saftpackungen und Pfannkuchen, während Techniker auf der Bühne erste Tonproben machen. „Es ist wie jedes Jahr eine logistische Meisterleistung“, sagt Mirco Harrisson-Gall, Estrel-Eventmanager. Seit 2001 organisiert er gemeinsam mit Frank Zander und dessen Sohn Marcus die Weihnachtsfeier für bedürftige und wohnungslose Berliner. Die Zanders selbst veranstalten das Fest zum 18. Mal.

Es ist ein Großevent mit rund 3000 geladenen Gästen, die alle mit einem festlichen Weihnachtsessen versorgt werden. Eingeladen sind Menschen, die sich kein Weihnachtsessen leisten können. „Der Zeitplan ist eng“, sagt Harrison-Gall gegen 11 Uhr. In weniger als vier Stunden treffen bereits die ersten Gäste ein. Doch bisher laufe alles nach Plan. Es fehlten noch Teller, aber das sei eine Kleinigkeit.

In der Küche brutzelt es da bereits. „Die 3000 Gänsekeulen sind die größte Herausforderung an diesem Tag“, sagt Küchendirektor Peter Griebel. Zwei bis drei Stunden müssten sie in der Röhre garen. Zehn Heizöfen benutzen die Köche dafür. Der Chefkoch kostet aus einem hüfthohen Topf mit Rotkohl. „Es fehlt noch Zucker“, sagt er entschlossen. Insgesamt müssen er und seine 30 Köche in den nächsten Stunden neben den Gänsekeulen 6800 Klöße, rund 690 Kilo Rotkohl sowie 250 Liter Soße zubereiten. „Wir haben darin mittlerweile Erfahrung“, sagt Griebel. 1995 hätten sie mit 250 Gästen angefangen, erzählt er. Nach 18 Jahren wüssten sie, „worauf es ankommt“. Das Essen, die Räume und die Technik stellt das Estrel kostenfrei zur Verfügung. Andere Sponsoren spenden Getränke, Weihnachtsgebäck, Süßigkeiten und Geschenke.

Um 14 Uhr trifft Frank Zander ein. „Ich bin kein Heiliger“, sagt er zu den Reportern, die ihn mit Kameras und Mikrofonen bedrängen. Er feiere nur gern, und das hier sei „wie ein Familienfest“. Eine halbe Stunde später gehen die Türen auf. Davor drängen sich die Menschen. Einige werden in Rollstühlen in die Halle geschoben. Zander schüttelt unzählige Hände und begrüßt die Gäste, als stünden sie an seiner eigenen Haustür. Es sind viele Alte darunter, aber auch viele Kinder. Einige bekommen von einem Friseurteam die Haare geschnitten, bevor sie sich hinsetzen. Gegen 16 Uhr tragen die vielen freiwilligen Helfer das Essen auf. Prominente helfen beim Kellnern. „Herr Bürgermeister, vielen Dank für das Essen“, sagt eine Frau zu Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky. Er trägt wie alle anderen eine dunkelrote Schürze. Weitere Gäste lassen sich mit den Box-Weltmeistern Arthur Abraham und Pablo Hernandez fotografieren.

Doch während die Promis nur für etwa eine Stunde in die Kellnerrolle schlüpfen, sind andere Ehrenamtliche schon seit 8 Uhr morgens beschäftigt. Julia Göppert (28) und ihre Freundin Thekla Swart (27) haben sich extra einen Tag frei genommen. „Hier lernt man zu schätzen, wie gut es einem geht“, sagen sie.

„Das Fest gibt mir Kraft“, sagt ein Mann mit Weihnachtsmannmütze. Er ist mit seiner Mutter hier und erzählt, dass er einen „privaten Absturz“ hinter sich habe. Später am Abend wird getanzt. Eine Frau wartet neben der Bühne auf die Schlagersängerin Claudia Jung, von der sie sich ein Autogramm wünscht. Als sie Frank Zander sieht, geht sie zu ihm und umarmt ihn.

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