Zerfall und Vandalismus : Berliner Bahnhöfe - teure Pflegefälle

10.11.2012 10:41 Uhrvon
Wackelt und hat Luft – leider. Kitty Kleist-Heinrich
Wackelt und hat Luft – leider. - Kitty Kleist-Heinrich

Abgefallene Fliesen, beschmierte Wände: Viele Berliner Bahnhöfe müssen für viel Geld erneuert werden. Darunter auch welche, die erst vor wenigen Jahren eröffnet oder renoviert wurden. Pfusch oder Pech?

Pfusch oder Pech? Diese Frage stellt sich bei Bahnhöfen in Berlin, die erst vor wenigen Jahren eröffnet worden sind. 2006 ging der Regionalbahnhof Potsdamer Platz in Betrieb – jetzt muss die abgehängte Decke entfernt werden, weil bei Kontrollen eine lose Akustik-Platte entdeckt worden war. Wegen der Arbeiten sind zwei der vier Gleise gesperrt. Und auch der erst vor 16 Jahren eröffnete U-Bahnhof Hermannstraße ist bereits heute ein Sanierungsfall.

Rund zwei Millionen Euro wird es kosten, die entstandenen Schäden zu beseitigen, sagte Bauchef Uwe Kutscher. Fürs Instandhaltungsprogramm sind nach seinen Angaben aber jährlich nur fünf bis sechs Millionen Euro verfügbar.

Der junge Bahnhof rückt so ins Grundinstandsetzungsprogramm, das in der Regel nur für ältere Stationen vorgesehen ist. Und bei 173 Bahnhöfen ist diese Liste lang – die vor fast 111 Jahren eröffnete U-Bahn ist in die Jahre gekommen. Und spürt zudem die Folgen von Vandalismus.

An der Hermannstraße ist ein Großteil der Fliesen von den Wänden gefallen oder musste abgeschlagen werden, weil sie locker waren. Und von den noch haltenden Fliesen sind die meisten so beschmiert, dass sie nicht mehr vollständig gereinigt werden können und wahrscheinlich ersetzt werden müssen.

Von Pfusch am Bau will Kutscher aber nicht reden; es könne sich auch um einen Materialfehler beim Kleber handeln. Allerdings war die Station unter erheblichem Zeitdruck gebaut worden. Die Arbeiten mussten vor der für den 17. Dezember 1993 geplanten Inbetriebnahme des Süd-Rings der S-Bahn beginnen; im Juli 1996 war der U-Bahnhof dann fertig.

Der erst vor 16 Jahren eröffnete U-Bahnhof Hermannstraße ist bereits heute ein Sanierungsfall. Kitty Kleist-Heinrich
Der erst vor 16 Jahren eröffnete U-Bahnhof Hermannstraße ist bereits heute ein Sanierungsfall. - Kitty Kleist-Heinrich

Sanierungsbedarf besteht aber nicht nur am relativ neuen Bahnhof Hermannstraße. Auch am erst 1993 grundlegend sanierten Bahnhof Potsdamer Platz klafft an der Ausgangstreppe zur Leipziger Straße eine große Lücke in der Fliesenverkleidung. Einen Umbau plant die BVG zudem am erst 1998 in Betrieb gegangenen Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park an der U 2. Dort sind die Steinplatten der Wände in den Treppenhäusern so beschmiert, dass die BVG nur mit einer neuen Verkleidung die Schmierereien unsichtbar machen kann. Völlig fliesenlos zeigt sich schon seit Jahren die Station Kaiserin-Augusta-Straße der U 6 in Tempelhof. Hier soll die Grundinstandsetzung 2013 beginnen. Ein großer Brocken wird auch der Start der Tunnelsanierung am U-Bahnhof Bismarckstraße der U 2 im Bereich der Deutschen Oper. Hier wird es – wie zuletzt entlang der U-Bahn unter der Tauentzienstraße – auch Einschränkungen für den Autoverkehr geben. 2014 soll die Grundinstandsetzung der Station Bismarckstraße der U 2 beginnen, die 1978 nachträglich als Kreuzungsbahnhof mit der damals neuen U 7 ins Netz eingefügt worden war. Komplett instandgesetzt werden sollen ab 2014 zudem derBahnhof Wutzkyallee der U 7 sowie an der U 9 die Stationen Rathaus Steglitz, Schlossstraße und Friedrich-Wilhelm-Platz.

Bereits im Sanierungsprogramm umgesetzt sind die Bahnhöfe Rehberge, Afrikanische Straße und Kurt-Schumacher-Platz, wo die Arbeiten nächstes Jahr fortgesetzt werden. Abgeschlossen werden sollen sie 2013 in den Stationen Kurfürstendamm (U 1), Lichtenberg (U 5), Blaschkoallee (U 7) sowie Leinestraße und Boddinstraße an der U 8. Und auch bei der Station Mehringdamm, auf der sich die Linien U 6 und U 7 treffen, stehen die Arbeiten vor dem Abschluss.

Beendet wurden in diesem Jahr die Sanierung der U-3-Stationen Fehrbelliner Platz und Hohenzollernplatz, auf dem nun Schwarz-Weiß-Fotos mit Motiven der Burg Hohenzollern die Wände schmücken. Nicht gelöst sind bisher die Probleme in der U-Bahn-Station Hauptbahnhof. Noch immer zeigen Flecken in der Decke, dass der Bau undicht ist. Eröffnung war im Sommer 2009.

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