Zukunft der Mobilität in Berlin : "Am besten man mietet sich mehrere Parkplätze"

Berlin soll Fahrradstadt werden. Aber die zehnjährige Tochter unseres Autors bevorzugt eine luxuriösere Variante des Individualverkehrs

Wenn schon Zweite-Reihe-Parken, dann richtig: Mit der Stretch-Limousine zur Currywurst-Bude.
Wenn schon Zweite-Reihe-Parken, dann richtig: Mit der Stretch-Limousine zur Currywurst-Bude.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Im Italienurlaub haben wir erfahren, dass die Radfahrer in Berlin die Autofahrer überholt haben. Das Fahrrad sei zu einem der wichtigsten Verkehrsmittel für die Hauptstadtbewohner geworden, berichtete die italienische Zeitung „Repubblica“. 18 Prozent der Verkehrsteilnehmer nutzten in der Stadt regelmäßig das Fahrrad, mit dem Auto seien dagegen nur noch 17 Prozent der Verkehrsteilnehmer unterwegs. „Berlino ha deciso di diventare il paradiso delle bici“, schreibt der Berlin-Korrespondent der Zeitung, die Stadt habe sich entschlossen, zum Paradies der Radler zu werden.

Von der grauen Gegenwart des Berliner Radfahreralltags, von den halsbrecherischen Gefahren, die auf holprigen Radwegen und im alltäglichen Kräftemessen mit Autofahrern drohen, ist in dem Beitrag nicht die Rede. Dafür viel von den Zukunftsplänen des Senats, die ab 2019 mit jährlich 51 Millionen Euro verwirklicht werden sollen, von neuen Radstreifen auf Hauptstraßen, von grünen Wellen und einer Stadt voller Fahrradparkplätze. „Endlich fühlt man sich als Radfahrer auch als Mensch akzeptiert“, freut sich Heinrich Strößenreuther, der Sprecher der Fahrradinitiative, der die Landespolitik mit einem drohenden Volksentscheid auf Touren gebracht hat.

„Ich möchte später eine Limousine haben“

Wir dürfen uns unsere Kinder als glückliche Fahrradfahrer vorstellen – falls sie sich für die neuen Mobilitätspläne öffnen. Bei meiner zehnjährigen Tochter ist jedenfalls noch Überzeugungsarbeit zu leisten. Greta begeistert sich eher für den motorisierten Individualverkehr im gehobenen Segment.

„Ich möchte später eine Limousine haben“, sagt sie. Ein Oberklasse-Modell soll es sein, aber keins von der Stange. „So eine lange Limousine, wo man hinten am Tisch sitzen und frühstücken kann.“ Offenbar geht sie selbstverständlich davon aus, dass nicht sie das Auto lenkt, sondern sie sich einen Chauffeur leisten wird.

„Du meinst eine Stretch-Limousine?“, frage ich. „Da wird es schwierig, in der Stadt einen Parkplatz zu finden.“ Das Mädchen hat dafür schon eine Lösung. „Man könnte sich doch dort, wo man immer hinfährt, einen festen Parkplatz mieten. Am besten zwei Parkplätze hintereinander, damit das Auto genug Platz hat.“

„Gute Idee. Aber das wird auf Dauer ziemlich teuer.“ Greta überhört den Hinweis. Für ein Mädchen, das sich eine Stretch-Limo mit Chauffeur leisten kann, spielt das anscheinend keine Rolle. „Am besten mietet man sich mehrere Parkplätze“, überlegt sie, „im Norden, im Westen und im Osten. Und noch einen in Mitte. Am Brandenburger Tor“, fügt sie nach kurzem Nachdenken hinzu. „Falls man zu einer Gala oder einer Filmpremiere fahren muss.“

Das leuchtet mir ein. Wer fährt schon mit dem Fahrrad zur Gala? Was die Zukunft der Mobilität angeht, hat dieser Senat noch viel zu lernen.

Stretch-Limousinen gibt es in Berlin bei diversen Anbietern zu mieten. Aber besser, Sie kaufen sich eine. Es ist eine Investition in die Zukunft – solange es kein Diesel ist.

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