Berlin : Zuletzt blieb ihr nur noch der Freitod Ein „Stolperstein“ für Martha Liebermann

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„Dazu macht man mir von allen Seiten Angst wegen Abtransport!“ Nur noch eine kurze Nachricht konnte Martha Liebermann am 4. März 1943 an ihren Vertrauten und Helfer, den Bankkaufmann Erich Alenfeld, richten. Die Gestapo war bei ihr erschienen und hatte ihr für den folgenden Tag mit Deportation gedroht, wenn das geforderte Lösegeld, offiziell als „Reichsfluchtsteuer“ deklariert, nicht gezahlt werde. Jeder Hoffnung auf Rettung beraubt, nahm die 85jährige Witwe des Malers Max Liebermann in der folgenden Nacht eine Überdosis des Schlafmittels Veronal. Am 10. März 1943 starb sie im Jüdischen Krankenhaus in der Iranischen Straße.

An diesem Mittwochvormittag wird vor dem Max-Liebermann-Haus am Pariser Platz 7 ein „Stolperstein“ für Martha Liebermann verlegt, zuvor gibt es im Gebäude einen Empfang der Senatskanzlei und der Stiftung „Brandenburger Tor“. Mit den „Stolpersteinen“ soll an deportierte und ermordete jüdische Bürger erinnert werden. Die zehn mal zehn Zentimeter großen, mit Namen und Daten der Toten beschrifteten Messingplatten, gehen auf eine Idee des Kölner Künstlers Günter Demnig zurück. In ganz Deutschland gibt es bereits Hunderte, viele auch in Berlin. In Wilmersdorf-Charlottenburg hatte es Anfang des Jahres Widerstand gegen die Platten gegeben, man fürchtete, dass die Passanten stolpern könnten – ein mittlerweile erledigter Konflikt.

In dem 1943 im Bombenkrieg zerstörten Stadthaus der Liebermanns hatte Martha Liebermann nach dem Tod ihres Mannes 1935 anfangs noch gewohnt. 1938 wurden Teile der Wilhelmstraße und des Boulevards Unter den Linden mit dem „Judenbann“ belegt, sie durfte das Haus nicht mehr betreten, das später, wie auch Liebermanns Haus am Wannsee, enteignet wurde. Martha Liebermann zog in die Graf-Spee-Straße, die heutige Hiroshimastraße in Tiergarten. Ende 1942 erlitt sie einen Schlaganfall. Erst spät gab sie dem Drängen von Freunden nach, sich durch Ausreise zu retten. Der Versuch, sie freizukaufen, scheiterte aber unter anderem daran, dass die NS-Behörden die Lösegeldforderung erhöhten. Als die Deportation nach Auschwitz unmittelbar bevorstand, zog sie den Freitod vor. ac

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