Zur Eröffnung von BER : Flughafen Tegel soll mit BER-Eröffnung schließen

Sechs Monate Parallelbetrieb mit dem neuem Hauptstadtflughafen BER sind nicht möglich. Es gibt dafür keine genehmigten Flugrouten.

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Der Umzug von Tegel nach Schönefeld soll innerhalb von vier Wochen bis Ende November 2017 erfolgen.
Der Umzug von Tegel nach Schönefeld soll innerhalb von vier Wochen bis Ende November 2017 erfolgen.Foto: dpa

Der Berliner Flughafen Tegel soll früher schließen als bisher bekannt. Und zwar nach Tagesspiegel-Recherchen sofort mit der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens in Schönefeld. Das sehen die aktuellen Planungen von Flughafenchef Karsten Mühlenfeld für die BER-Inbetriebnahme vor, die trotz massiver Rückstände weiterhin für November 2017 angepeilt wird, aber faktisch vor 2018 nicht möglich ist. Nach der Lufthansa hat inzwischen dem Vernehmen nach auch Air Berlin den Wunsch geäußert, den BER mit dem Sommerflugplan 2018 zu starten. Das sei wegen geplanter neuer Verbindungen Richtung Amerika sinnvoller, heißt es.

Es gibt zudem keine genehmigten Flugrouten, die einen parallelen Betrieb von BER und Tegel zuließen, auch nicht vorübergehend. Das bestätigten das Bundesamt für Flugsicherung (BAF) und Gerhard Steintjes, der Chef der Fluglärmkommission, dem Tagesspiegel. „Die jetzigen Flugverfahren für Tegel sind nicht kompatibel mit den Flugrouten des künftigen BER“, sagte BAF-Sprecherin Kerstin Weber. Wenn der BER eröffne, werde „die Luftraumstruktur in Berlin eine komplett andere sein“. Steintjes sagte: „Beide Flugrouten, die für den BER und die für Tegel, kollidieren miteinander. In dem Moment, wo die südliche BER-Startbahn in Betrieb geht, muss der Flugverkehr in Tegel eingestellt werden.“ Bislang hieß es unter Verweis auf den Planfeststellungsbeschluss immer, dass Tegel erst sechs Monate nach dem BER-Start geschlossen werden muss.

Die Festlegung von Flugrouten ist ein kompliziertes Verfahren

Mühlenfeld bestätigte, dass es bisher keine genehmigten Flugrouten für einen auch vorübergehenden zeitweise parallelen Flugbetrieb am BER und in Tegel gibt. Er sieht darin aber kein Problem: „Wir brauchen sie auch nicht.“ Wenn doch, wäre nach seinen Worten noch genügend Zeit, dies nachzuholen. Allerdings ist die Festlegung von Flugrouten ein kompliziertes Verfahren, bei dem auch die Fluglärmkommission, in der die brandenburgischen BER-Anrainerkommunen und die angrenzenden Berliner Stadtbezirke vertreten sind, ihr Votum abgeben muss.

Mühlenfeld zufolge soll der Umzug von Tegel nach Schönefeld innerhalb von vier Wochen bis Ende November 2017 erfolgen. Die ersten Flüge, die nach Schönefeld ziehen, sollen auf der nördlichen Start- und Landebahn – und damit nach den bisherigen Schönefelder Flugrouten – starten. Mit dem zweiten und letzten Schub würde die Südbahn in Betrieb genommen, womit nach bisherigem Stand wegen der Flugroutenkollision der Betrieb in Tegel eingestellt werden müsste.

Der vom Regierenden Michael Müller (SPD) geführte Flughafenaufsichtsrat will auf seiner Sitzung am 7. Oktober über die bereits mehrfach verschobene Eröffnung des Airports beraten. Mühlenfeld hat bereits erklärt, dass er nicht mit einer Entscheidung über den Eröffnungstermin rechne, wegen Unwägbarkeiten im laufenden Baugenehmigungsverfahren. Der Flughafen kann mit der vorletzten Baugenehmigung zur Sanierung des BER-Terminals erst Anfang Oktober rechnen, ein Jahr später als im ursprünglichen Terminplan für den Start 2017. Noch im Juli hatte Mühlenfeld dem Aufsichtsrat erklärt, eine Genehmigung im August sei „Prämisse“ für einen BER-Start 2017.

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