Zurück an den Samowar : Tadschikische Teestube wieder zurück in Berlin

Ein kleines Stück Tadschikistan in Berlin: Die einst im Palais am Festungsgraben ansässige Tadschikische Teestube ist wieder da – am neuen Ort in der Oranienburger Straße. Eines bleibt: Das traditionelle Teekochen am Samowar-Kessel.

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Pelmeni und Piroggi. Nach einem Jahr Abstinenz kann man in Mitte nun bei der neuen Inhaberin Olga Schöning trinken und essen wie in Zentralasien.Weitere Bilder anzeigen
Doris Spiekermann-Klaas
25.02.2013 14:36Pelmeni und Piroggi. Nach einem Jahr Abstinenz kann man in Mitte nun bei der neuen Inhaberin Olga Schöning trinken und essen wie...

Eine kleine, in allen Reiseführern gepriesene originelle gastronomische Rarität im Berliner Zentrum schien für immer verloren, aber jetzt ist sie wieder da. Nach fast einjähriger Abstinenz darf man nun wieder in der „Tadshikischen Teestube“ im Schummerlicht auf Kissen lümmeln und am köchelnden Samowar die Zeit verfliegen lassen. Dank der Beharrlichkeit von Olga Schöning, der Chefin, und der Kooperationsbereitschaft verschiedener Partner von der Denkmalpflege bis zur Berliner Immobilienmanagement-Gesellschaft (BIM) wurde ein Stückchen Tadschikistan an einen neuen Ort verpflanzt und dort maßstabsgerecht wieder aufgebaut.
Die einstige Galerie „Morgen“ hinten links am Ende vom Kunsthof in der Oranienburger Straße 27 ist die neue Heimat der Teestube. Die Geschichte des Etablissements ist fast 40 Jahre alt: 1974 war das Tadschiken-Mobiliar mit Samowar-Anschluss eine Attraktion im sowjetischen Pavillon auf der Leipziger Messe, von wo man sie nicht wieder nach Duschanbe mitnehmen wollte, sondern der Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft (DSF) schenkte. Die war erst einmal ratlos und bugsierte dann die unverhoffte Gabe aus dem fernen Zentralasien in ihr Haus am Kastanienwäldchen. Das frühere Finanzministerium wurde nach der Wende vom Haus der DSF zum Palais am Festungsgraben, aber die Teestube aus Tadshikistan kochte weiter ihren Sud, buk Piroggen, Bliny und Pelmeni. Die kleine stille Oase im Großstadttrubel war ein Geheimtipp, schräg gegenüber lockte das große Operncafé das Publikum in Scharen ans Tortenbufett – jetzt ist das geschlossen und wird schmerzlich vermisst, von der versprochenen Reparatur des Kronprinzessinnenpalais keine Spur. Doch die kleine Teestube hat es geschafft. Sie ist plötzlich wieder da, wenn auch an einem anderen Ort.

Rückkehr der Tadschikischen Teestube in Mitte
Pelmeni und Piroggi. Nach einem Jahr Abstinenz kann man in Mitte nun bei der neuen Inhaberin Olga Schöning trinken und essen wie in Zentralasien.Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Doris Spiekermann-Klaas
25.02.2013 14:36Pelmeni und Piroggi. Nach einem Jahr Abstinenz kann man in Mitte nun bei der neuen Inhaberin Olga Schöning trinken und essen wie...

Die frühere Besitzerin Charikleia Chinari ging zurück in ihre Heimat nach Griechenland, und so ergriffen ihr Bruder und die Schwägerin Olga Schöning die Initiative, die Teezeremonie zu retten. Sie kauften der BIM das Interieur ab, das eben nicht, wie vermutet, unter Denkmalschutz stand, transportierten es auf den Hof in der „Oranienburger“ und bauten es Stück für Stück wieder auf. Am Kupfergraben fragen immer wieder Gäste, die lange nicht da waren, nach der einstigen Morgengabe aus dem fernen Zentralasien, „dann kommen sie das kurze Stück vom Kupfergraben hierher in die Oranienburger und sind happy, wenn sie uns gefunden haben“, sagt Olga Schöning, die ihren eigentlichen Beruf als Grafikerin nun zugunsten der Teewirtschaft an die zweite Stelle gerückt hat.

Sie erzählt, dass sich Berliner und Touristen ungefähr die Waage halten, dass die Lässigkeit der Sitz- und Liegeordnung samt Teegenuss die Kommunikation der Gäste untereinander fördert und dass der neue Ort für die Ewigkeit gedacht ist – Olga Schöning, die junge Teestubenälteste, hat den Namen ihrer deutsch-tadschikischen Restauration samt Inhalt patentieren lassen. Nun wähnt sich der Besucher am alten Ort, so haargenau wurden die Sandelholzsäulen, die großen Märchenbilder, die Holzdecken, Tische und Sitzkissen in den hohen, dunkelgrün gestrichenen Raum im Kunsthof eingepasst. Neu ist lediglich ein Regal am Eingang: Wer auf der Erde sitzen möchte, muss sich der Schuhe entledigen, zur Not bekommt er Hausschuhe. Dann kann es losgehen mit der Qual der Wahl aus 30 Sorten Tee zu zarten Harfenklängen. Der Chronist vermerkt zweierlei: Erstens sollte sich das Operncafé an der Teestube ein Beispiel nehmen und den Ämtern die Türen einrennen, damit dieser Treffpunkt Unter den Linden nicht länger geschlossen dahinödet. Und: Auch die Märchenfrauen sind wieder da. Nina Madlen Korn und Katja Popow erzählen wieder montags ab 19.30 Uhr „Geschichten von Spaßvögeln, Schelmen und anderen gewitzten Leuten“ oder „Märchen von klugen und unerschrockenen Frauen“.

Tadshikische Teestube, Oranienburger Straße 27, Mitte, Mo bis Fr ab 16 Uhr, Sa und So ab 12 Uhr. Tel. 2041112

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