Zwangsversteigerung steht bevor : Der Spreepark im Plänterwald - ein Angebot mit vielen Haken

Am Mittwoch wird das Erbbaurecht für den einstigen Vergnügungspark angeboten. Auf mögliche Investoren warten strikte Vorgaben - und viele Risiken

von
Stillstand. Das Riesenrad ist Symbol des brachen Rummels. Ringsum ist noch viel zu entdecken. Was, zeigen wir in einer Fotostrecke.
Stillstand. Das Riesenrad ist Symbol des brachen Rummels. Ringsum ist noch viel zu entdecken. Was, zeigen wir in einer...Foto: dpa

Was kosten 296 000 Quadratmeter Berlin in ruhiger Waldlage an der Spree mit fußläufigem Nahverkehrsanschluss heutzutage? 5,50 Euro pro Quadratmeter, sagt das vom Amtsgericht Köpenick beauftragte Gutachten. Zu schön, um wahr zu sein? Genau. Denn streng genommen wird an diesem Mittwoch nicht der Spreepark im Plänterwald versteigert, sondern nur das Erbbaurecht für das Gelände. Es läuft bis Ende Mai 2061; das Land als Eigentümer kassierte zuletzt 286 602 Euro jährlich.

Zumindest wollte es so viel kassieren, aber beim Spreepark läuft schon lange nicht mehr viel nach Plan: 2001 ging der 1969 eröffnete und nach der Wende aufgerüstete Vergnügungspark pleite, der Exbetreiber musste ins Gefängnis. Die Banken forderten Millionen zurück, für die kein neuer Interessent aufkommen mochte. Schließlich veranlasste das Finanzamt Treptow-Köpenick die Zwangsversteigerung, die nun bevorsteht. Damit wären die Bankschulden erledigt. Aber das Gutachten des Sachverständigen, das den Verkehrswert auf scheinbar so günstige 1,62 Millionen Euro taxiert, liest sich wie eine Warnung, lieber die Finger davon zu lassen: „Ein Erwerber hat bezüglich der Nutzung keine Rechtssicherheit. Er erwirbt somit ein Grundstück ohne genaue Kenntnis, wie es entwickelt werden kann.“

Der Spreepark vor und nach dem Brand
Einsatz in der Nacht: Am 11. August 2014 standen im Spreepark die Kulissen des Dorfes „Alt-England“ in Flammen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 41Foto: Snapshot-Photography/Seeliger
11.08.2014 08:40Einsatz in der Nacht: Am 11. August 2014 standen im Spreepark die Kulissen des Dorfes „Alt-England“ in Flammen.

Land und Bezirk haben in der vergangenen Woche klargestellt, dass sie nichts anderes zulassen werden als einen Freizeitpark. Die Mitteilung war wohl eine Reaktion auf immer mal wieder aufgetauchte Spekulationen, ein Käufer könnte auf dem Spreeparkgelände luxuriöse Stadtvillen in den Wald bauen – was nun ausgeschlossen ist. Der entsprechende Bebauungsplan sei bereits in Arbeit und könne dann mit dem Konzept des Investors abgestimmt werden. Die Frage ist nun, wer dieser Investor sein könnte. Mindestens eine Handvoll sind schon zurückgeschreckt vor den Rahmenbedingungen, die ihnen die Verwaltung diktiert hat.

Als Hauptproblem galt die Erschließung des Geländes: Wegen seiner Lage im Landschaftsschutzgebiet gelten strikte Beschränkungen für Bauten und Zufahrtswege. Das Bezirksamt hält 500 000 Besucher pro Jahr für verträglich. Zu wenig für einen wirtschaftlichen Betrieb, konterte schon vor Monaten Gerd Emge, der das Gelände bewacht und Veranstaltungen organisiert. Seine Einschätzung stammt vom Beginn dieses Jahres, als das belgische Unternehmen Plopsa sich ernsthaft für den Rummel interessierte – als bisher letzter bekannt gewordener Interessent. Jetzt soll es mehrere geben, aber keinen klaren Favoriten.

Formal besteht der Spreepark zu fast einem Drittel aus Wald- und Erholungsfläche, die nach Vorgabe des Landes öffentlich zugänglich bleiben muss. Gebaut werden darf nur im umzäunten „Kernbereich“ von 21,5 Hektar. Dort befinden sich mehrere Gebäude und Pavillons, ein Teich, eine Kleinbahn und ein halbes Dutzend Fahrgeschäfte. Ziemlich genau das soll wiederauferstehen, aber nach zwölf Jahren Verfall dürfte wenig davon zu retten sein. Auch das denkmalgeschützte frühere Ausflugslokal „Eierhäuschen“ nahe dem Spreeufer wird im Gutachten als finanziell wertlos eingestuft.

Bisher hat die Präsenz der im Park wohnenden Veteranen sowie jener Enthusiasten, die Führungen und Veranstaltungen organisieren, das Areal vor dem völligen Verfall bewahrt. Am Mittwoch könnte die Entscheidung fallen, ob das Drama ein Happy End findet oder zur unendlichen Geschichte wird.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben