Zwei neue Multifunktionsbäder : Berlin sucht das Superbad

Eine aktuelle Umfrage zeigt: In den Becken dieser Stadt sind weder Schwimmer noch Planscher richtig froh. Das neue Bäderkonzept des Senats soll es richten – auch mit zwei Neubauten.

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Wasserspaß. Das neue Bäderkonzept soll das Bedürfnis vieler Berliner nach Spaß- und Freizeitbädern bedienen.
Wasserspaß. Das neue Bäderkonzept soll das Bedürfnis vieler Berliner nach Spaß- und Freizeitbädern bedienen.Foto: Fotolia

Was wollen die Berliner, wenn sie ins Schwimmbad gehen? Sie wollen Ruhe, Entspannung und Erholung. Aber auch tropfnassen Badespaß und allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel fürs sportliche Schwimmen. Die Kinder sollen ihre Freude haben, ein nettes Restaurant und ein kräftiger Aufguss in der Sauna dürfen nicht fehlen. Dies alles möchten die badenden Berliner in angenehmer, warmer Atmosphäre genießen, mit freundlichem Personal und bei günstigen Eintrittspreisen. Ein ambitioniertes Programm, das eine Umfrage der Berliner Bäderbetriebe nun enthüllt, dargestellt in Grafiken, die wir auf dieser Seite exklusiv präsentieren. Leider klaffen, wie die Umfrage zeigt, Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander.

Umfrage der Berliner Bäderbetriebe im Februar 2015: Wie zufrieden sind Sie mit dem Angebot?
Umfrage der Berliner Bäderbetriebe im Februar 2015: Wie zufrieden sind Sie mit dem Angebot?Grafik: Jan Rückert, Quelle/Daten: Berliner Bäderbetriebe

Früher war das Leben einfacher. „Es lächelt der See, er ladet zum Bade“, schrieb 1803 Friedrich Schiller, damit war die Sache klar. Und als Bauarbeiter 70 Jahre später an der Friedrichstraße zufällig eine sprudelnde Solquelle fanden, wurde zügig ein Bad errichtet, ohne groß zu diskutieren. Wenn auch nur für ein gut betuchtes Publikum, mit Marmorwannen und beheizten Kleiderständern. Das Admirals-Gartenbad war ein exklusives Vergnügen, doch schon im selben Jahr wurde der „Berliner Verein für Volksbäder“ gegründet, dem Robert Koch und Rudolf Virchow angehörten. Das war der Beginn eines Interessenkonflikts.

Der Senat ist verpflichtet, Bäder anzubieten

Denn den Volksbad-Verfechtern ging es nicht um das Amüsement, sondern um Körperertüchtigung und Hygiene als wichtige Grundlagen der Volksgesundheit. In den vielen neuen Mietskasernen gab es keine gefliesten Bäder. Wer damals einer gründlichen Reinigung bedurfte, musste städtische Einrichtungen aufsuchen, die auf Beschluss des Berliner Magistrats ab 1891 in größerer Zahl gebaut wurden, mit Wannen, Duschen und meistens einem großen Schwimmbassin. Für Männer und Frauen gab es getrennte Badezeiten, um „unmoralische Durchmischungen“ zu verhindern, jedenfalls solange es noch den Kaiser gab.

Eröffnung Stadtbad Schöneberg
Das Stadtbad Schöneberg wurde für 7,1 Millionen Euro saniert und heißt jetzt "Hans Rosenthal".Weitere Bilder anzeigen
1 von 14Foto: Kitty Kleist-Heinrich
20.01.2012 16:48Das Stadtbad Schöneberg wurde für 7,1 Millionen Euro saniert und heißt jetzt "Hans Rosenthal".

Noch heute konkurriert das eine Erbe mit dem anderen. Hier der bürgerlich aufgeklärte Anspruch an einen gesunden Geist in einem gesunden Körper, in Berlin mit preußisch-asketischer Prägung, die sich in 29 50-Meter-Sportschwimmbecken manifestiert. Und dort die vielen Berliner Badefreunde, denen die aktuelle Bäder-Infrastruktur zu karg ist. Es scheint also an der Zeit für eine Rückbesinnung auf das Admirals-Bad, natürlich ohne dessen elitären Anspruch. Das neue Bäderkonzept, das der Senat am Dienstag beschloss, weist in diese Richtung. Wobei Rot-Schwarz nicht umschwenkt auf Badespaß pur, sondern auf eine Versöhnung der Philosophien setzt. Die rechtliche Grundlage dafür gibt es seit 20 Jahren, nämlich das Bäder-Anstaltsgesetz. Es verpflichtet den Senat, „sportliche Betätigung, Erholung und Entspannung für die Angehörigen aller Bevölkerungsgruppen“ anzubieten.

Zwei schicke neue Kombibäder sollen 2021 eröffnen

„Bisher ist aber nur in unseren Sommerbädern für alle etwas dabei“, sagt der Geschäftsführer der Berliner Bäderbetriebe, Ole Bested Hensing. Der gebürtige Däne führt das landeseigene Unternehmen seit 2013, vorher war er Chef des privat geführten Tropical Islands in Brandenburg, laut Eigenwerbung „Europas größte tropische Urlaubswelt“. Die meisten Berliner Politiker sind allerdings nach wie vor der Meinung, dass derartige Spaßbäder nicht zur öffentlichen Daseinsvorsorge gehören und ausschließlich privat betrieben werden sollten. Stattdessen wurde im neuen Bäderkonzept der Begriff des Multifunktionsbads geprägt.

Zwei schicke Pilotprojekte werden, wenn alles gut geht, 2021 am Ankogelweg in Mariendorf und in der Wolfshagener Straße in Pankow eröffnet. Mit je einem Bereich für Sport- und Vereinsschwimmer (50-Meter-Bahnen, Sprunganlage, Lehrschwimm- und Kursbecken). Mit einem Freizeitbad (25-Meter-Becken, Kinderplansche, Rutsche, Whirlpool, Erlebnisbecken, Wasserspielplatz, Ganzjahresaußenbecken, Wellenbad). Dazu ein Sommerbad mit Liegewiesen, eine Saunalandschaft und Gastronomie. Dies alles soll aus dem neuen Investitionsfonds des Landes Berlin finanziert werden, jedes Multifunktionsbad kostet etwa 30 Millionen Euro, in anderen Städten sind ähnliche Bäder sehr erfolgreich. Kalkuliert wird mit 800.000 Besuchern jährlich, nach Abzug der Personal- und Betriebskosten sollen beide Superbäder Überschüsse erwirtschaften.

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