100. Todestag von Jack London : Matrose, Goldgräber, Erfolgsautor

Er fasste Begegnungen mit urgewaltiger Natur in Sprache wie kein Zweiter. Zu Jack Londons 100. Todestag erscheint sein Roman "Mord auf Bestellung" zum zweiten Mal auf Deutsch.

Carolin Haentjes
Jack London
Der Schriftsteller Jack London. Er starb vor 100 Jahren.Foto: dpa

Dass sich Jack London über die Neuübersetzung von „The Assassination Bureau Ltd.“ zu seinem 100. Todestag – er starb am 22. November 1916 – gefreut hätte, muss bezweifelt werden. Aber egal, denn der Autor ist tot, das Konzept des Autors und Jack London sowieso. Und auf die Originalitätsansprüche des Ersteren hat Letzterer vor allem wegen der Tantiemen wenig gegeben. Da war er pragmatisch.

Hätte London aus dem, was nun als „Mord auf Bestellung“ zum zweiten Mal auf Deutsch erscheint, einen Verkaufsschlager machen können, dann hätte er es getan. Am Szenario scheiterte es nicht: Eine Agentur, die nur gerechtfertigte Auftragsmorde begeht, verstrickt sich in ihrem moralischen Anspruch. Also muss der eigene Boss erledigt werden. Eine Weltklasse-Idee von einem Weltklasse-Autor. 1910 hatte London sie für fünf Dollar vom späteren Nobelpreisträger namens Sinclair Lewis gekauft. London brauchte Geld, er war hoch verschuldet, aber ihm, dem damals bestbezahlten Schriftsteller der USA, fiel nichts ein.

Ganz der leidenschaftliche Sozialist

Vielleicht war der „Ruf der Wildnis“ zu stark geworden, den er noch ein paar Jahre zuvor auf so wundersame Weise dem gleichnamigen Roman, genauso wie seinen Klassikern „Wolfsblut“ oder „Der Seewolf“, einzuschreiben wusste. Nachdem John Griffith Chaney, als der er 1876 in San Francisco geboren wurde, Gelegenheitsarbeiter, Matrose und Goldgräber gewesen war, nahm er den Stift in die Hand und schrieb Abenteuergeschichten. So meisterhaft wusste er die Begegnung mit der urgewaltigen Natur heraufzubeschwören, dass er schlagartig berühmt wurde.

In „Mord auf Bestellung“ ist davon nichts zu spüren. Vielleicht weil London gerade seine Weltumsegelung hatte abbrechen müssen und sich nur pflichtschuldig an den Schreibtisch quälte. Auch dem Protagonisten Dragomiloff sitzt der Agentenaufzug zu eng, seine Charakterisierung passt einfach nicht. London entzündet zwar ein paar provokante Diskussionen über das Morden im gesellschaftlichen Auftrag – hier ist er ganz der leidenschaftliche Sozialist geblieben. Aber als der Plot sich verheddert, geht auch den Reflexionen der Saft aus. London knallte das Manuskript entnervt in die Schublade.

Ein halbes Jahrhundert später hat der Mystery-Schriftsteller Robert L. Fish es in der Südsee enden lassen, in geglätteter James-Bond-Manier. So ist er trotzdem irgendwie lesbar, dieser Lewis-London-Fish, in der Neuübersetzung von Eike Schönfeld allemal. Er beweist sogar Studientauglichkeit: wegen der Fußnoten, den angefügten Schreibnotizen und dem Nachwort, vor allem aber als kleines Lehrstück über den Tod des Autors und das Überleben seines Namens.

Jack London: Mord auf Bestellung. Ein Agententhriller. Übersetzung: Eike Schönfeld. Manesse, Zürich 2016. 272 S., 24,95 €

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