68. Frankfurter Buchmesse : Das Bücherfest geht los

Die weltweit größte Büchermesse wird in Frankfurt eröffnet. Die Niederlande und Flandern sind in diesem Jahr Ehrengast, der Friedenspreis geht an Carolin Emcke.

Frankfurter Buchmesse wird eröffnet.
Ein Festtag für alle Literaturliebhaber. Die Eröffnung der Frankfurter Buchmesse.Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Die größte Bücherschau der Welt wird am Dienstagabend in Frankfurt eröffnet. Zur 68. Frankfurter Buchmesse werden mehr als 7.100 Aussteller aus rund 100 Ländern erwartet. Bis Sonntag gibt es rund 4.000 Veranstaltungen mit etwa 600 Autoren. Erwartet werden bis Sonntag etwa 270.000 Messebesucher. Die Niederlande und Flandern sind in diesem Jahr Ehrengast der weltgrößten Bücherschau. Unter dem Motto „Dit is wat we delen“ („Dies ist, was wir teilen“) präsentieren sie ein umfangreiches literarisches und kulturelles Programm. Insgesamt erscheinen im Rahmen der Messe über 300 deutsche Übersetzungen niederländischsprachiger Literatur aus den verschiedensten Sparten, darunter Klassiker ebenso wie Werke von Nachwuchsautoren.

Zur Eröffnung des Ehrengast-Pavillons am Dienstagabend werden der niederländische König Willem-Alexander und das belgische Königspaar Philippe und Mathilde in Frankfurt erwartet. 72 Autoren aus diesem Kulturraum kommen nach Frankfurt, darunter bekannte Schriftsteller wie Cees Nooteboom, Jessica Durlacher, Connie Palmen, Leon de Winter oder Arnon Grünberg, der gemeinsam mit Charlotte van den Broeck am Abend beim Festakt sprechen wird. Mit „The Arts+“ soll es erstmals eine „Messe innerhalb der Messe“ für die Kunstbranche geben. In Halle 4.1. werden unter anderem das Museum of Modern Art New York, das Victoria & Albert Museum, das Metropolitan Museum of Art sowie das Google Cultural Institute ausstellen.

Online-Petition für Meinungsfreiheit in der Türkei

Der Direktor der Buchmesse, Juergen Boos, sagte am Morgen zum Auftakt vor Journalisten in Frankfurt, gesellschaftliche Debatten um die Zukunft Europas prägten das diesjährige Event. „Als größte internationale Messe für Inhalte ist die Frankfurter Buchmesse der Ort, an dem sich die Komplexität einer zunehmend vernetzten Welt, ihre Fragmentierung, aber auch ihre Vielfalt deutlich ablesen lässt.“ Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, betonte, in einer von Spaltung, Dissens und Konfrontation geprägten Zeit müsse die Buch- und Medienbranche eine wichtige Rolle ausfüllen. „Gerade jetzt braucht die Gesellschaft starke und unabhängige Ideen- und Inhaltsvermittler, die Informationen und Geschehnisse einordnen, hinterfragen und differenzieren.“ Nie seien Buchmenschen und Kulturschaffende wichtiger gewesen als heute.

Deutschlands Buchbranche hat sich vor Beginn der Frankfurter Buchmesse für die Meinungsfreiheit in der Türkei stark gemacht. „Die Freiheit des Wortes ist für uns ein Menschenrecht und nicht verhandelbar“, sagte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, am Dienstag vor Journalisten. „Doch die Politik schweigt, schaut zu und handelt nicht.“ In einer Online-Petition (#FreeWordsTurkey) werden Bundesregierung und EU-Kommission aufgefordert, die Meinungs- und Pressefreiheit kompromisslos zu verteidigen. Die vor einigen Wochen gestartete Initiative von Börsenverein und PEN-Zentrum Deutschland wurde bisher von rund 80 000 Menschen unterzeichnet.

Friedenspreis für die Publizistin Carolin Emcke

Die Frankfurter Buchmesse (19. bis 23. Oktober) ist mit inzwischen über 7.000 Ausstellern die weltweit größte Veranstaltung ihrer Art. Im vergangenen Jahr fanden rund 275.000 Besucher den Weg in die Messestadt am Main. Hauptadressaten sind Verleger, Autoren, Buchhändler und Agenten. Die Buchmesse in ihrer heutigen Form existiert seit 1949. Insgesamt blickt Frankfurt aber auf eine mehr als 500-jährige Tradition als Umschlagplatz für Literatur zurück. Im Zeitalter der Aufklärung musste die Stadt ihre führende Rolle an Leipzig abtreten. Erst durch die deutsche Teilung gewann Frankfurt wieder an Bedeutung. Heute findet die Leipziger Buchmesse im Frühjahr, die Frankfurter Buchmesse im Herbst statt.

Mitte der 1970er Jahre gab es erstmals einen thematischen Schwerpunkt. Seit 1988 präsentiert sich jedes Jahr ein Gastland oder eine Gastregion, die auf der Buchmesse ihre literarische Produktion, begleitet von einem kulturellen Rahmenprogramm, vorstellen. Diesmal werden die Niederlande und Flandern Ehrengast sein. Es folgen Frankreich (2017), Georgien (2018), Norwegen (2019) und Kanada (2020). Während der Messe werden zahlreiche Preise verliehen. Den Höhe- und zugleich Schlusspunkt bildet die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche. Die Auszeichnung ging im vergangenen Jahr an den deutsch-iranischen Orientalist und Schriftsteller Navid Kermani. In diesem Jahr erhält die Publizistin Carolin Emcke den Preis. KNA/dpa

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