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Abriss der Kant-Garage : Ein Palast, der nach Abgasen duftet

01.08.2013 07:54 UhrVon René Hartmann
Die Hochgarage in der Kantstraße 126/127, entstanden in der Frühzeit des Automobilismus, eröffnete im Oktober 1930. Bis heute ist sie nahezu unverändert erhalten – einschließlich der doppelgängigen Wendelrampe. Fotos: Thilo RückeisBild vergrößern
Die Hochgarage in der Kantstraße 126/127, entstanden in der Frühzeit des Automobilismus, eröffnete im Oktober 1930. Bis heute ist sie nahezu unverändert erhalten – einschließlich... - Fotos: Thilo Rückeis

Die Kant-Garage in Charlottenburg ist ein einzigartiges Baudenkmal der Weimarer Republik. Als Dependance des Berliner Museums für Verkehr und Technik könnte es überleben.

Sie fällt auf in der Häuserfront der Kantstraße in Berlin-Charlottenburg. Unscheinbar wirkte dieses architektonische Juwel nie, jetzt soll es verschwinden. Die letzte in der Stadt erhaltene Hochgarage aus den 20er Jahren soll nach dem Willen des Eigentümers aus wirtschaftlichen Gründen abgerissen werden. Der Antrag wurde bereits bei der Unteren Denkmalbehörde gestellt. Sollte diesem Antrag stattgegeben werden, wäre dies ein Skandal. Weltweit gibt es nur eine einzige Hochgarage mit doppelgängiger Wendelrampe, die älter ist: die 1928 fertiggestellte „Richmond Garage“ in Richmond im Bundesstaat Virginia von Lee, Smith & VanDervoort.

Das macht das Berliner Exemplar zu einer Inkunabel der internationalen Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Eröffnet wurde die Hochgarage in der Kantstraße 126/127 in der Frühzeit des Automobilismus, im Oktober 1930. Sogar den Zweiten Weltkrieg überstand sie ohne größere Beschädigungen. Sie trägt den wohlklingend berlinisch-pompösen Namen „Kant-Garagen-Palast“ und ist das einzige Gebäude des Architekten Hermann Zweigenthal (1904 – 1968), das sich in Deutschland erhalten hat.

Die Kant-Garage: die weltweit zweitälteste noch existierende Hochgarage mit Wendelrampe

Ausgeführt wurde das Gebäude in der Architektursprache der Neuen Sachlichkeit – also in einem Baustil, der meist als Bauhaus-Architektur bezeichnet wird. Die Bürogemeinschaft der Hans-Poelzig-Schüler Zweigenthal und Richard Paulick (1903 – 1979) – Erbauer des legendären Paulick-Saals in der Staatsoper Unter den Linden, die gegenwärtig saniert wird – entwarf den Verkehrsbau im Auftrag des Geschäftsmanns Louis Serlin.

Die Kant-Garage hätte dringend eine Sanierung nötig - und könnte dann als Museumsdependance wiedererstehen Fotos: Thilo RückeisBild vergrößern
Die Kant-Garage hätte dringend eine Sanierung nötig - und könnte dann als Museumsdependance wiedererstehen - Fotos: Thilo Rückeis

Die Gestalt der Garage entwickelte man zusammen mit dem auf Großgaragen spezialisierten Berliner Architekturbüro Lohmüller, Korschelt & Renker. Zweigenthal wird dabei die beeindruckende Vorhangfassade, die über die gesamte Rückseite des Gebäudes als gläserne Haut gespannt ist, und die spektakuläre doppelgängige Wendelrampe zugeschrieben. Zweigenthal, Paulick und Serlin mussten vor den Nationalsozialisten ins Exil fliehen. Der Garagenbetrieb wurde durch einen später berüchtigten SS-Mann arisiert und blieb. Bis heute.

Der damalige Berliner Landeskonservator Helmut Engel erkannte in der Kant-Garage 1985 bereits ein „wichtiges Beispiel für den Beginn der Kraftfahrzeug-Kultur“. Diese weitsichtige Einordnung bestätigte sich 1991 mit der Aufnahme in die Berliner Denkmalliste. Denn aus der Zeit zwischen 1907 und 1937 sind heute in Deutschland kaum noch ein Dutzend Hochgaragen erhalten geblieben. Laut Landesdenkmalrat (2010) ist die „Kantgarage nicht nur ein herausragendes Denkmal des Neuen Bauens, sondern auch ein einzigartiges – und hier ist der Ausdruck wirklich wörtlich zu nehmen – technisches Denkmal für den Automobilismus in Deutschland.“ Diese Ausnahmestellung hat mit der Ausführung und dem ungewöhnlichen Erhaltungszustand der Hochgarage zu tun. Denn die Vorhangfassade der Frankfurter Glasdachfabrik Claus Meyn KG an der Rückseite der Garage ist heute noch weitgehend erhalten. Im Inneren findet man die raffinierten Schiebetore der Tempelhofer Firma Paul Heinrichs, mit denen die separaten Garagenboxen seit 73 Jahren geschlossen werden.

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