Kultur : Ach, diese Eltern

Die Familienkomödie „The Big Wedding“.

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Im Kreis der Lieben. Robert De Niro als Vater des Bräutigams. Foto: Concorde
Im Kreis der Lieben. Robert De Niro als Vater des Bräutigams. Foto: Concorde

Man kennt sich ein Leben lang, wird gemeinsam älter, die Macken der anderen sind einem vertraut, zumal sie mit den Jahren immer auffälliger werden. Manchmal gehen sie einem derart auf die Nerven, dass man sie eine Weile nicht mehr sehen will – um plötzlich zu merken, wie sie einem fehlen: Das ist Familie. Bei „The Big Wedding“ kann man das gleich in doppelter Hinsicht erleben, denn es geht um ein Familientreffen und das eigene Wiedersehen mit Robert De Niro, Susan Sarandon und Diane Keaton trägt ähnliche Züge. De Niros schiefes Lächeln, Sarandons resolute Lidschläge, Keatons Zappelgestik – man hat sie zigmal gesehen, wird ihrer aber nicht überdrüssig.

Die drei und ein als alkoholabhängiger Priester etwas unglücklich besetzter Robin Williams sind die Veteranen in Justin Zackhams Film, gegen die die Jungen (Katherine Heigl, Amanda Seyfried, Topher Grace) nicht ankommen. Der Bildhauer Don (De Niro) stiehlt seinem Adoptivsohn Alejandro charmant die Show, und ein bisschen denkt man, dass die Gäste froh darüber sind. Der Plot dieser Patchworkfamilien-Komödie ist nicht neu: Zur Hochzeit des Sohns treffen sich die längst getrennten Eltern und ihre erwachsenen Kinder, hinzu kommt Alejandros leibliche Mutter. Es gibt ein paar vorhersehbare Verwirrungen, und am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf.

Anrührend sind einzelne Szenen und Dialoge, besonders wenn das aus dem Lot geratene Verhältnis zwischen dem alten Bildhauer Don und seiner Tochter Lyla (Heigl) sich auf wunderbare Weise wieder zurechtrückt. Da klettert der Vater, der vorher auch schon mal ordentlich obszön war und jede Menge Altmännerwitze riss, die außer ihn niemanden amüsieren, hinter Lyla auf das Sprungbrett des Hotelpools und redet auf sie ein, während sie vorne sitzt und die Beine baumeln lässt. Sie fragt, wo er sei, darauf er: „Hinter dir – wo ich immer gewesen bin.“

Der Film lässt die Generation der 68er mit ihrer lockeren Sexualmoral hochleben. Wie sich herausstellt, hatte Dons Ex (Keaton) ein ausschweifendes Liebesleben, schon bevor sie ihn verließ, während Don mit seiner Lebensgefährtin (Sarandon) immer noch Sex auf dem Küchentisch hat, auch wenn es beiden längst im Rücken zwackt. Und wenn zufällig jemand hereinkommt, macht es ihnen nicht das Geringste aus. Merkwürdig steif wirken die heiratswütigen Kinder gegen diese munteren Alten – wahrscheinlich haben die Eltern zu oft die Schlafzimmertür aufgelassen. „Die Ehe“, findet Don, „ist wie ein Boxkampf – erst der Ring, dann das K. o.“ Daniela Sannwald

– In 9 Berliner Kinos, OV im Cinestar Sony-Center

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