Kultur : Acht auf einen Streich

Die Bären-Jury: Indie-Pionier James Schamus, Barbara Broccoli, Christoph Waltz, Trine Dyrholm ...

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Produzent und Philosoph, James Schamus, 54, ist beides. Fragt man den Jury-Vorsitzenden und Doyen des US-Independentkinos, was Plato mit Popcorn gemeinsam hat, erklärt er lachend, warum schon die Frage alle Prämissen logischen Denkens missachtet. Wenn Professor Schamus nicht gerade unterrichtet, produziert und vertreibt er Erfolgsfilme, seit 25 Jahren. Filme wie „Lost in Translation“, „Brokeback Mountain“, „Tiger & Dragon“, „Milk“, The Kids Are All Right“ und zuletzt „Dallas Buyers Club“. 16 Oscars gehen auf sein Konto. Und wo begann seine Glückssträhne? Auf der Berlinale 1983, wo er mit Ang Lees „ Hochzeitsbankett“ den Goldenen Bären gewann – für Lee schrieb Schamus auch etliche Drehbücher. Im Oktober verlor er seinen Job als Chef des New Yorker Studios Focus Features; die Mutterfirma Universal glaubt, mittelgroße Filme lohnen sich nicht mehr: Falsch, ganz falsch, sagt Schamus, hat mehrere Projekte in der Pipeline und arbeitet mit Lee an einem Box-Film in 3-D.

Schamus führt eine achtköpfige Jury an. Als da wären: die legendäre Produzentin der legendären Bond-Filme Barbara Broccoli aus den USA sowie die Schaupielerinnen Greta Gerwig (2013 war sie im Panorama-Publikumshit „Frances Ha“ zu sehen) und die Dänin Trine Dyrholm, die mit „Love is All You Need“ einen Hit landete und mehrfach in Wettbewerbsfilmen beeindruckte. Dazu ihr Kollege Christoph Waltz, der längst international Furore macht und Oscars für seine beiden Tarantino-Rollen bekam, für „Inglourious Basterds“ und „Django Unchained“. Und der Hongkong-Star Tony Leung, der Festivalbesuchern als „The Grandmaster“ im Eröffnungsfilm 2013 in lebhafter Erinnerung ist.

Die aus Teheran stammende Filmemacherin und Malerin Mitra Farahani lebt in Paris. Auf dem Festival war sie zuletzt mit „Fifi Howls from Happiness“ zu Gast. Auch der französische Regisseur Michel Gondry („Vergiss mein nicht!“, „Science of Sleep“, „Der Schaum der Tage“) kommt immer wieder nach Berlin, das Panorama zeigt sein neues Werk „Is the Man Who Is Tall Happy?“Vier Schauspieler, zwei Regisseure, zwei Produzenten – eine starke Riege. Zu schade, dass ihre Jury-Runden hinter streng verschlossenen Türen stattfinden. chp

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