Actionfilm : Ballern lernen

Peng, ihr seid tot! „G.I. Joe: Die Abrechnung“ ist ein klassischer, aber ziemlich reaktionärer Actionfilm. Nicht mal Bruce Willis macht darin eine sonderlich gute Figur.

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Im Auftrag von Uncle Sam. Gaststar Bruce Willis ist der Veteran beim Brutalo-Spezialkommando, das für die US-Regierung die besonders heiklen Fälle übernimmt.
Im Auftrag von Uncle Sam. Gaststar Bruce Willis ist der Veteran beim Brutalo-Spezialkommando, das für die US-Regierung die...Foto: UPI

Politische Gefangene befreien in Nordkorea? Atomsprengköpfe in Islamistenhänden? Wenn Uncle Sam irgendwo auf der Welt ein Problem unterhalb der Schwelle eines offiziellen Krieges lösen muss, werden die Elitesoldaten der G.I.-Joe-Kommandoeinheit losgeschickt. Nach dem handelsüblichen Shootout in einer pakistanischen Nuklearanlage planen Roadblock (Dwayne „The Rock“ Johnson) und Duke (Channing Tatum) schon das Feierabend-Barbecue, als die harten Jungs in einen Hinterhalt der eigenen Leute geraten. Der Präsident der Vereinigten Staaten (Jonathan Pryce) ist von der Geheimorganisation Cobra durch einen Doppelgänger ausgetauscht worden. Mit seiner Hilfe will Cobra die Atommächte gegen- einander ausspielen und durch Superwaffentechnologie die Weltherrschaft übernehmen. Was selbstredend nur die paar überlebenden Joes samt einiger Ninjakämpfer und ihres aus dem Ruhestand reaktivierten Gründers Joe Colton (Bruce Willis) verhindern können.

Abgesehen von einem durch rasch wechselnde Handlungsorte (Himalajaklöster, unterirdische Hochsicherheitsgefängnisse) und einen Haufen Nebenfiguren vergleichsweise verwirrenden Plot bietet „G.I. Joe: Die Abrechnung“ konfektionierte Genrekost: knapp zwei Stunden sinnfreies Geballer und Gemetzel, hirnrissige Machosprüche, dröhnendes Militärpathos, zerhäckselte Martial- Arts-Choreografien. In den Siebzigerjahren hätten Filme dieser Art ein, zwei Millionen Dollar gekostet und wären ohne großes Aufhebens in Bahnhofskinos gelaufen. Hier jedoch durfte Regisseur Jon Chu, zu dessen Portfolio die „Step Up“-Tanzfilme und eine Konzertdoku über Justin Bieber gehören, 185 Millionen Dollar verpulvern. Die künstliche Aufgeblasenheit, die sich in exzessiv und häufig kontraproduktiv eingesetzter Tricktechnik, der überflüssigen 3-D-Konvertierung und dem teuren, aber lustlosen Gastauftritt eines Stars wie Bruce Willis niederschlägt, raubt dem Film die trashige Unschuld seiner Genrevorbilder.

Aus mindestens zwei Gründen ist es mehr als fragwürdig, dass der von einer Figurenserie des Spielzeugkonzerns Hasbro inspirierte Film in einer ab zwölf Jahren freigegebenen Schnittfassung in die Kinos kommt. Zum einen würde man jüngere Zuschauer gern vor dem reaktionären Gedankengut dieses Waffenpornos bewahren. Zum anderen werden die massenhaften Tötungsakte durch sekundenbruchteilgenaues Wegblenden abstrahiert und bagatellisiert. Jörg Wunder

In 18 Berliner Kinos, OV im Cinestar Sony-Center

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