• Afghanistan: Kampf im Untergeschoss: Amerikanische "Tunnelratten" sollen die Terroristen finden

Kultur : Afghanistan: Kampf im Untergeschoss: Amerikanische "Tunnelratten" sollen die Terroristen finden

Lutz Haverkamp

Ihre Berufsbezeichnung ist nicht wirklich schmeichelhaft: Tunnelratten. Diese speziell ausgebildeten amerikanischen Elitesoldaten kamen schon im Vietnamkrieg zum Einsatz. Dort hatte die kommunistische Guerilla eine insgesamt 248 Kilometer lange unterirdische Trutzburg gegen die Invasoren angelegt. Auch im Zweiten Weltkrieg gegen die Japaner jagten die US-Spezialeinheiten erfolgreich ihre Gegner unter Tage. Jetzt sollen die "tunnel rats" Amerikas größten Feind Osama bin Laden im afghanischen Untergrund aufspüren. Denn die Militärs gehen noch immer davon aus, dass sich der Terroristenchef im Höhlensystem in der Region Tora Bora versteckt hält - freilich geschützt von seinen engsten Mitstreitern.

Der Ursprung der afghanischen Tunnelsysteme ist wie in anderen Ländern Asiens auch allerdings nicht militärischer Art. Die Anlagen dienten und dienen vielmehr als Wasserleitungssysteme und helfen, das kostbare Nass vor der Verdunstung zu schützen. Bereits Alexander der Große soll schon 328 vor Christus die in den Fels geschlagenen "Karez" vorgefunden haben.

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Das Handwerk der Tunnelratten hat sich in den letzten Jahrzehnten kaum gewandelt. Die vergleichsweise kleinen und schlanken Soldaten sind mit einer Pistole, Kaliber 45, einem Kampfmesser sowie Hand- und Knall-Blend-Granaten bewaffnet. Vor dem Eindringen wird eine Tränengas-Granate in den Eingang geworfen, um anschließend die Höhle mit Atemschutzmasken zu durchkämmen. Die Soldaten von Alexander dem Großen und der 40. Sowjetarmee scheiterten allerdings damit, die Karez von Feinden zu säubern. Ersteren fehlte schlicht der Mut, die Tunnelsysteme zu betreten, Letztere wurden von Giftschlangen, Skorpionen und Sprengfallen überrascht und in die Flucht geschlagen.

Im Vietnamkrieg setzten die US-Militärs auch Napalm ein, um den Gegnern in den Höhlen die Luft zum Atmen zu nehmen. Ein durchaus vorstellbares Szenario auch für Afghanistan. Das Gas Napalm ist bei der US-Armee vorhanden, der politische Wille zu seinem Einsatz offenbar auch. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Fernsehsender NBC auf eine entsprechende Frage: "Wir werden alles tun, was nötig ist. Wenn sie nicht aufgeben, haben sie ihre Entscheidung getroffen."

Schon jetzt nehmen amerikanische Flugzeuge die Tunnelanlagen in der 50 Kilometer südlich von Dschalalabad gelegenen künstlichen Bergfestung Tora Bora mit bunkerbrechenden Bomben unter Beschuss. Das könnte allerdings ganz neue Probleme mit sich bringen. Zum einen machen sich die Militärs keine Freunde unter der afghanischen Zivilbevölkerung, wenn sie die Wasserleitungssysteme zerstören. Zum anderen werden die Bombenopfer im wahrsten Sinne des Wortes so zerfetzt, dass letztendlich nicht nachgewiesen kann, ob Osama bin Laden sich unter den Getöteten befindet. Und ob sich der Terroristenchef überhaupt dort aufhält, kann mit absoluter Gewissheit auch niemand sagen.

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