Al Qaida nach Noten : Ein Ex-Rapper hetzt für den Dschihad

Der ehemalige Rapper Deso Dogg, der sich heute Abou Maleeq nennt, ist in der Szene der Salafisten ein Star. Verfassungsschützer befürchten, dass er labile Jugendliche in den Dschihad locken könnte, bis hin zum Selbstmordanschlag.

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Der Mann sitzt da in einer tarngefleckten Armeejacke, die rechte Faust umklammert das Mikrofon. Er singt a cappella „wandert aus, wandert aus, Usbekistan, Afghanistan, wir kämpfen in Khorasan, Allahu akbar, Allahu akbar!“ Das Publikum, etwa 50 vollbärtige Muslime, die meisten noch jung, ist begeistert. Bei „Allahu akbar“ stimmen alle ein. Der Mann singt weiter, „Inshallah, inshallah, wir kämpfen, fallen Shuhada, den Feind im Auge bismillah, Allahu akbar, Allahu akbar!“ Die Worte „wir fallen Shuhada“ bedeuten, den Märtyrertod zu sterben. Das Video auf YouTube ist unverhohlene Propaganda für den Dschihad, den Heiligen Krieg der Islamisten, und für den individuellen, bewaffneten Kampf, ob in Afghanistan oder woanders. So werden Selbstmordattentäter gezüchtet.

Der Mann, der solchen Hass in junge Köpfe singt, ist der ehemalige Rapper Deso Dogg. Heute nennt er sich Abou Maleeq und ist in der Szene der Salafisten, die ein Leben streng nach den Regeln des frühen Islam fordern, ein Star. Abu Malik, der bürgerliche Name des Berliners mit ghanaischem Vater lautet Denis Mamadou Cuspert, tritt bundesweit auf und trägt seine Kampflieder vor. Solche „Anashid“ haben in der islamischen Welt eine längere Tradition. In Afghanistan brachten sich Kämpfer schon während des Krieges gegen die Sowjetbesatzer mit Anashid in Stimmung. Was Cuspert und andere Hasssänger in Deutschland treiben, bereitet den Sicherheitsbehörden Sorge. „Seit 2010 häufen sich sogenannte islamische Hymnen, die den militanten Dschihad und den Märtyrertod verherrlichen“, warnt der Berliner Verfassungsschutz in einer Studie (www.verfassungsschutz-berlin.de). Der junge Kosovare Arid U. putschte sich mit dem Nashid eines aus Bonn stammenden Islamisten auf, bevor er im März am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschoss.

Die Auftritte des Ex-Rappers Cuspert zeigen allerdings auch, wie sich zehn Jahre nach 9/11 der militante Islamismus subkulturell einfärbt, obwohl der Berliner heute nicht mehr Deso Dogg sein will und Salafisten Musik an sich strikt meiden. Aber Cuspert profitiert von seiner alten Popularität als Gangsta-Rapper, er ist in Jugendmilieus bekannt. Die Verfassungsschützer befürchten, jemand wie Cuspert könne labile Jugendliche in den Dschihad locken, bis hin zum Selbstmordanschlag. In einem Nashid glorifiziert Cuspert Osama bin Laden.

Der im Mai getötete Al-Qaida-Chef wird zudem in einer bizarren Subkultur verehrt, sie behält jedoch ihre Musik bei. International wächst eine islamistische Black-Metal-Szene heran, die zu ohrenbetäubendem Geschepper und Geschrei den Dschihad verklärt. Auf YouTube dröhnt die saudische Band Yawm ad Din einen Song mit dem Titel „Death to Obama – Slayer of Osama“. Ebenfalls bei YouTube hetzt die Band As Sahar, eine Black-Metal-Truppe aus Singapur, im Tonfall militanter Islamisten gegen Israel: „Wir stehen hinter ihnen, Palästina, Palästinenser / Wir werden sie gemeinsam ausrotten, Zionisten, Zionisten / Dschihad“. Der Song heißt auch Dschihad. In dem Video brennen israelische Fahnen.

Der Brandenburger Verfassungsschutz hat die Verbindung von Islamismus und Black Metal in einer Studie untersucht und warnt, „der Dschihad ist nicht mehr nur die Angelegenheit einiger ausradikalisierter Extremisten, sondern wird zunehmend in bestimmten Strömungen der Jugendkultur verankert“. Man könnte auch sagen: Pop goes Al Qaida. Frank Jansen

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