Alexandre Powelz' Filmdebüt "Ohne Dich" : Liebe in Zeiten des Stillstands

Drei Liebesgeschichten, ein handfestes Drama: Das Filmdebüt „Ohne Dich“ von Alexandre Powelz.

Moritz Eckert
Szene aus "Ohne Dich".
Szene aus "Ohne Dich".Foto: dpa

Immer wieder wird derzeit der Mangel an Wagemut im Kino beklagt, zumal im deutschsprachigen. Neulinge unter den Filmemachern, sollte man meinen, könnten da helfen. Mit seinem Debüt „Ohne Dich“ betritt Alexandre Powelz, 1970 geboren und bisher als Kurzfilmregisseur hervorgetreten, zwar auch nicht eben Genre-Neuland. Dafür ist seine Idee, drei Liebesgeschichten episodisch zu verknüpfen, zumindest im Ansatz originell, zumal es sich bei dem Film nicht um eine ortsübliche Herzschmerz-Komödie handelt, sondern um ein handfestes Drama.

Die Hebamme Rosa (Katja Riemann) und ihr Lebensgefährte Marcel (Charly Hübner) führen zunächst ein glückliches, finanziell sorgloses Leben in ihrem schönem Haus – die Idylle wird jedoch bald durch Rosas Krebserkrankung empfindlich gestört. Ihre Putzfrau Layla (meist glaubhaft hysterisch: Meral Perin) ist unterdessen ihrem Ex-Freund Navid (Bijan Zamani) hoffnungslos verfallen und stalkt ihn. Und schließlich ist da Motte (Helen Woigk): Sie wohnt in einem Bauwagen und ist von ihrem in der sexuellen Selbstfindungsphase gefangenen Freund Neo (charmant aufgedreht: Arne Gottschling) schwanger – und kreuzt in dem Krankenhaus auf, in dem Rosa arbeitet.

Die Verknüpfungspunkte zwischen den Episoden sind meist clever gesetzt; die Überschneidungen sind nicht alle gleich offensichtlich und sorgen so für Überraschungen, die den gemächlichen Handlungsverlauf zum Schluss hin flott machen. Schade nur, dass der Regisseur aus der Ausgangsposition insgesamt zu wenig macht. Die Geschichte um Rosa und Marcel zieht er groß auf; auch gefallen Katja Riemann und vor allem Charly Hübner in ihren Rollen; Rolf Hoppe als Rosas Vater hat ebenfalls berührende Momente. Die Geschichte um die klammernde Layla und die rebellische Motte allerdings verkommen zu bloßem Beiwerk. Neues Kino sieht denn doch anders aus.

Babylon Mitte, Kulturbrauerei, Pompeji am Ostkreuz, Tilsiter-Lichtspiele

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben