Kultur : Alles wird gut, ratzfatz

In allerlei Umständen: „Mütter und Töchter“

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Foto: Universum
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Wenn jemand seinem Spaß nicht traut, dann malt er mit den Fingern Anführungsstriche in die Luft. Wenn ein Regisseur dem Ernst seiner Dialoge nicht traut, dann kippt er eine zähe Soße Filmmusik darüber. Das geschieht in „Mütter und Töchter“ viel zu oft und viel zu früh. Da ist man noch ganz eingenommen von den wunderbaren Schauspielerinnen und den edlen Bildern, auch das Thema ist sehr groß - da macht es schwapp, die Soße klebt. Kann das hier noch was werden?

Es geht um Frauen in verschiedenen Umständen, mit Kinderwunsch, doch unfruchtbar, ohne Kinderwunsch, doch schwanger, ohne Tochter, mit Tochter, ohne Mutter, mit Mutter. Und weil der Regisseur und Drehbuchautor Rodrigo Garcia sämtliche Vor- und Nachteile sämtlicher Umstände, alle Glücks- und Unglücksfälle, die mit dem Thema Mutterschaft und Tochterschaft in Zusammenhang stehen, in einen Kinofilm packen möchte, in dem am Ende auch noch jede mit jeder was zu tun hat, führt er ein Beziehungsknäuel vor, dessen Auflösung im Happy End kaum glaubwürdiger erscheint als die unbefleckte Empfängnis.

Wirklich, es gibt bewundernswerte Szenen, mit Annette Bening, Kerry Washington und vor allem mit Naomi Watts, die eine kontrollsüchtige, männerfressende 37-Jährige spielt. Als sie erfährt, dass sie schwanger ist, obwohl sie sich hat sterilisieren lassen, schüttelt sie den Kopf, und die Ärztin nickt mit einer Mischung aus Allwissen und Mitleid. Was die Blicke dieser beiden Frauen erzählen, kann kein Symphonieorchester verstärken.

Rodrigo Garcia hat vor drei Jahren Regie geführt in einer der beeindruckendsten US-Fernsehserien der letzten Zeit: „In Treatment“. Da sitzt ein Therapeut seinen Patienten gegenüber, und sie reden, und das ist alles, stundenlang. „In Treatment“ sagt: Es gibt keine einfachen Lösungen. „Mütter und Töchter“ wirkt, als habe sich der Regisseur erholen wollen von dieser Zumutung. All diese unauflösbaren Dramen, die zumeist auf Eltern-Kind-Konflikten beruhen. Als habe er beweisen wollen, dass das alles gut ausgehen kann, und zwar ratzfatz. Man muss nur viel mehr auf einmal erzählen, größere Bilder machen und mehr Musik draufgießen. David Ensikat

Capitol, Cinemaxx, Kulturbrauerei,

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