"Animal Lovers" in der NGBK : Hund und Herrchen

Lässt sich der Zustand einer Gesellschaft daran ablesen, wie sie mit ihren Tieren umgeht? Dieser und anderen Fragen geht die Ausstellung „Animal Lovers“ in der NGBK nach.

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Die Installation KRAMFORS von Ute Hörner und Mathias Antlfinger.
Kunst mit Tieren. Die Installation KRAMFORS von Ute Hörner  und Mathias Antlfinger.Foto: Hörner / Antlfinger

Sollen Hunde selbst entscheiden, wann sie spazieren gehen und wohin? Haben Tiere Rechte? Es mag als Luxusproblem erscheinen, sich zu sehr um das Befinden von Hunden und Katzen zu sorgen. Doch gut möglich, dass sich der Zustand einer Gesellschaft auch daran ablesen lässt, wie sie mit ihren Tieren umgeht. Kürzlich hat der aus Syrien geflüchtete Journalist Abdolrahman Omaren in der Sonderausgabe des Tagesspiegels die Situation syrischer Straßenhunde mit dem Zustand der dortigen Gesellschaft verglichen.

Die Ausstellung „Animal Lovers“ in der Neuen Gesellschaft für bildende Kunst (NGBK) kommt also zu einem spannenden Zeitpunkt. Der Mensch ist der Herr, das Tier sein Begleiter – so muss es nicht sein. Die Beziehung kann vielfältige Formen annehmen, dafür sensibilisiert die Schau. Das reicht von künstlerischer Zusammenarbeit wie bei Ute Hörner und Mathias Antlfinger, die mit Papageien Collagen anfertigten, bis zu gleichberechtigten Wohngemeinschaften.

Das Künstlerkollektiv Sin Kabeza hat Möbel und Klettergeräte entworfen, die Mensch und Tier gleichermaßen Spaß machen könnten. Wie viel Freiraum Tieren in der Wohnung zusteht, wenn der Mensch allein die Miete zahlt, darüber ließe sich köstlich streiten. Ernst wird’s, wenn man anfängt, das Tier stellvertretend für andere schwache Bevölkerungsgruppen zu sehen. Wie ist es mit den Rechten von Kindern, von Frauen?

Grand Theft Auto mal anders

Nicht von ungefähr hat sich die Frauenrechtsbewegung seit Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Tierrechtsbewegung solidarisiert. In einer Vitrine liegen Texte und Zeitungsausschnitte über die „Brown Dog Riots“, die bis 1910 im Battersea Park in London stattfanden. Eine Hundestatue – Mahnmal gegen Tierversuche – wurde zum Treffpunkt für Feministinnen, Gewerkschafter und Tierschützer, die gegen Polizei und Establishment demonstrierten. Noch heute ist es schwer, die breite Masse für Tierrechte zu interessieren. Aufmerksamkeit beschert erst der richtige Kontext. So brachten Tierschützer das Thema auf den Plan, indem sie gegen die Gewalt gegen Tiere in dem Computerspiel „Grand Theft Auto“ protestierten. Auf diese Zusammenhänge macht Thomas Hawranke aufmerksam. In seiner manipulierten Version des erfolgreichen Third-Person-Shooters, in dem Tiere normalerweise überfahren werden dürfen, lässt er Schimpansen tanzen, trinken, schnelle Autos fahren wie die menschlichen Wesen; dazu werden Passagen aus einem Tierrechts-Manifest zitiert.

Eine komplexe Kollaboration mit Insekten zeigt Anselmo Fox’ Video- und Soundinstallation. Im Zuge der Restaurierung der Bronzefiguren an der Siegessäule im Tiergarten hatte er entdeckt, dass sich hinter den einstigen Einschusslöchern Bienen angesiedelt haben. Fox fertigte Abgüsse der zerschossenen Figuren und siedelte neue Bienen dort an. Seine Videoinstallation zeigt nun, wie die Insekten durch die von Kugeln getroffenen Körperteile ein- und ausfliegen und diesen – für Menschen unzugänglichen – Raum erobern.

NGBK, Oranienstr. 25, bis 27. 11.; tägl. 12 – 19 Uhr, Mi bis Fr 12 – 20 Uhr.

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