Anna Prohaska und die Akademie für Alte Musik : Die Nahrung der Liebe

Liebesperlen: Anna Prohaska und die Akademie für Alte Musik mit Suiten von Henry Purcell im Konzerthaus.

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Die Akademie für Alte Musik
Die Akademie für Alte MusikFoto: Uwe Ahrens

Zum Schaden der englischen Musikgeschichte ist es Henry Purcell, dem Orpheus Britannicus, nicht gelungen, ein durchschlagendes Werk für die Bühne zu schaffen. Seine Kammeroper „Dido and Aeneas“ und ein paar „Masques“ verhinderten nicht, dass in England bald die italienische Oper und Händel dominierten.
Eine Annäherung an den Theatermann Purcell bringt nun ein Programm, das Anna Prohaska und die Akademie für Alte Musik (Akamus) sich zum 400. Todestag William Shakespeares ausgedacht haben. Auf den Spuren des allgegenwärtigen Dichters verfolgen sie dessen Wirkung speziell auf das 17. Jahrhundert. „Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist“ rezitiert Prohaska, in schräg dekolletiertem fließenden Weiß edel anzuschauen, um mit Purcells Lied „If music be the food of love“ den Abend im Konzerthaus zu beenden. Ihr Kleid repräsentiert eher das alte Griechenland, das auf den Bühnen der Welt nie gefehlt hat und hier mit Purcells berühmter, ostinat begleiteter Arie „Music for a while“ aus einem Drama „Oedipe“ vertreten ist.


Die Vortragsfolge hat Liebhaberwert mit ein wenig Selbstinszenierung der Sängerin, wenn sie seitlich an ihrem Tischchen sitzend die Sterbeszene der Julia deklamiert oder sich schreitend vor der ersten Reihe von ihrem Auditorium verabschiedet. Ihr Gesang, seit Langem sehr erfolgreich in vielen Bereichen zwischen Mozart und Jörg Widmann, erreicht in diesem Konzert seinen Höhepunkt mit der Klage „O let me weep“ aus Purcells „The Fairy Queen“. Suiten aus Schauspielmusiken von ihm mit ihrem herben Kontrapunkt und von seinen Zeitgenossen werden historisch getrommelt und gepfiffen seitens der Akademie für Alte Musik. Deren

Konzertmeister Georg Kallweit, ein fabelhafter Geiger, sorgt wippend und knicksend für den Takt des eleganten leichtfüßigen Zusammenspiels.
Wie ein Solitär aus der Shakespearezeit selbst wird das Lautenlied „Come again, sweet love“ von seinem Altersgenossen John Dowland eingebunden, weil’s gar so schön ist.