Architektur-Festival MakeCity : Berlin gehört den Bürgern

Wohnen in Berlin verändert sich rasant. Mieten werden teurer, Leerstände seltener. Wie wollen wir wohnen? Damit beschäftigt sich eine Veranstaltungsreihe in Berlin.

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Demokratie von unten oder von oben? Was bezweckt der SPD-Fraktionsvorsitzende mit seinen Vorschlägen zu mehr Bürgerbeteiligung?
Demokratie von unten oder von oben? Was bezweckt der SPD-Fraktionsvorsitzende mit seinen Vorschlägen zu mehr Bürgerbeteiligung?Foto: dpa

Die großen Berliner Volksbegehren – bei allen geht es um die Frage: Wie soll öffentliches Leben aussehen? Keine Bebauung des Tempelhofer Feldes, Energieversorgung zurück in öffentliche Hand (wenn auch erfolglos) und jetzt der Mietenvolksentscheid. „Die Zivilgesellschaft mischt sich mittlerweile in die großen Fragen der Stadtplanung ein“, sagt Francesca Ferguson. Die Kuratorin hat in Berlin eine Veranstaltungsreihe für „Architektur und Andersdenken“ ins Leben gerufen, MakeCity heißt es, am heutigen Donnerstag ist die Eröffnung.

„Stadtplanung wird partizipativer“, sagt Ferguson, „in allen möglichen Bereichen“: Rückkehr zu Genossenschaftsmodellen, Co-Housing, Urban Gardening. Aber auch bei großen Themen wie Liegenschaftspolitik. In den kommenden drei Wochen wird es im Rahmen von MakeCity an vielen Orten in Berlin Veranstaltungen rund um Stadtplanung und Architektur geben, Partizipation ist eines der drei Hauptthemen.

Wie kann eine gemeinsame neue Mitte Berlins aussehen?

Eine weitere große Frage lautet: Was machen wir mit dem öffentlichen Raum, und wie können wir ihn gemeinsam gestalten? Dazu gibt es mehrere Veranstaltungen, etwa eine Spree-Bootsfahrt, bei der der Konflikt zwischen „Mediaspree“ und „Spreeufer für alle“ erläutert wird. In Mitte soll der Frage nachgegangen werden, ob ein Flussbad an der Museumsinsel eine zukunftsweisende Idee für eine „neue gemeinsame Mitte Berlins“ sein kann.

Die Top 10 der Berliner Architektursünden
Platz 1: Das Alexa. Ein Klotz in Schweinchenrosa. „Hässlich“ – So lautete die Reaktion des Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit beim Anblick des Alexa. Sogar noch aus der Ferne, vom Dach des Hauses des Lehrers, löst das schweinchenrosafarbene Kaufhaus am Alexanderplatz Aggressionen aus. Gingen deshalb Scheiben zu Bruch, als die Massen die Läden stürmten bei der Eröffnung des Baus um Mitternacht am 11. September 2007? Wie von einem anderen Stern – oder jedenfalls aus einer anderen Region – wirkt auch die Hülle des Gebäudes: Anspielungen auf mediterrane Bautraditionen sind erkennbar, der Architekt kommt aus Portugal und heißt José Quintela da Fonseca. Genehmigt hatte das polarisierende Projekt der nicht minder umstrittene frühere Senatsbaudirektor Hans Stimmann. Der sonst für Sandstein und Traufhöhe streitende Mann aus Lübeck hatte das Rot gesehen und für gut befunden, weil auf dem Baugrundstück bis zum Krieg die „Rote Burg“ stand, die zentrale Polizeipräsidium der Stadt. Weil aber die Zeit Wunden heilt und Farben aus Fassaden auswäscht, ist Rosé bald schon Burgunder.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: Doris Spiekermann-Klaas
03.02.2015 16:15Platz 1: Das Alexa. Ein Klotz in Schweinchenrosa. „Hässlich“ – So lautete die Reaktion des Regierenden Bürgermeister Klaus...

Mehrere Events thematisieren Berlins wohl größten Konflikt. Berliner wollen günstige Mieten, aber gleichzeitig keine Bebauung von städtischen Grünflächen. Seit dem Volksentscheid zum Tempelhofer Feld gab es mehrere Anläufe, andere Flächen ebenfall unbebaubar zu machen. Die Buckower Felder in Neukölln etwa, oder die Elisabeth-Aue in Pankow. Der Senat bescheinigte den Flächen „stadtpolitische Bedeutung“ – und nahm den Bezirken ihre eigenen Flächen weg. Anwohner fühlen sich in der Planung übergangen.

MakeCity hat sich die großen Fragen der Stadtplanung auf die Fahnen geschrieben. Es soll eine Plattform sein, um Architekten, Stadtplaner, Künstler und Interessierte zusammen zu bringen. Alles auch unter dem Mantel der Partizipation: Bei allen Veranstaltungen ist der Eintritt frei.

MakeCity: 11. bis 28. Juni. Informationen unter www.makecity.berlin

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