Kultur : Arm, aber lustig

Geheimnis der Dachkammern: die Pariser Komödie „Nur für Personal!“

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Kleider machen Leute.
Kleider machen Leute.

Als der Stadtplaner Baron Haussmann Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Anlage langer Sichtachsen und breiter Boulevards die Struktur von Paris verändert hatte, entstanden prächtige Bürgerhäuser im klassizistischen Stil. Mit ihren grauen Dächern, den vielen Schornsteinen, den bis zum Boden reichenden Fenstern, mit ihren großzügigen Eingängen und den Concièrge-Wohnungen im Erdgeschoss sind sie für Paris bis heute so charakteristisch wie der Eiffelturm oder Notre Dame. Haussmann und seine Architekten hätten sich allerdings nicht träumen lassen, dass die in der sechsten Etage gelegenen Dienstbotenzimmer, die chambres de bonne 150 Jahre später begehrte Immobilien sein würden: Monatsmiete 600 Euro für acht Quadratmeter, Klo auf dem Flur. Dutzende solcher Angebote sind auf den Websites von Pariser Maklern zu finden.

Anfang der 60er Jahre allerdings hielt man sich noch Personal. Die Zimmer unterm Dach wurden von Dienstmädchen bewohnt, die über ihren eigenen engen Treppenaufgang verfügten. Offizieller Kontakt mit den Arbeitgebern war nicht erwünscht. Vor diesem Hintergrund spielt „Nur für Personal!“, die freundlich-harmlose Culture-Clash-Komödie des Regie-Routiniers Philippe Le Guay. Weil die Französinnen aus der Provinz zu teuer und unverschämt geworden sind, erobern zunehmend spanische Gastarbeiterinnen die begehrten Stellungen. So auch die schöne Maria (Natalia Verbeke) im Haushalt des konservativen Börsenmaklers Monsieur Joubert(Fabrice Lucchini). Mehr durch Zufall gerät der spröde, ältliche Herr einmal in den sechsten Stock und wird dort mit deren Problemen konfrontiert. Verblüfft stellt er fest, dass die Spanierinnen in einer Parallelwelt leben, von deren Existenz er und seine Frau (Sandrine Kiberlain) bisher nichts ahnten, die ihn aber gleich fasziniert.

Und plötzlich taut er auf. Philippe Le Guay hat das Leben des Monsieur Joubert in zunächst abweisenden, düsteren Interieurs inszeniert. Im Kontrast dazu stehen die warmen Farbtöne in den Dachkammern, und am Ende reißt Joubert sogar die Jalousien in seinem Büro auf. Implizit verweist der Film auf die unterschwellige gesellschaftliche Unruhe vor 1968 und die dringende Notwendigkeit sozialer Veränderungen, die in Frankreich wie in der übrigen westlichen Welt nach der Studentenrevolte durchgesetzt wurden. Daniela Sannwald

– In 7 Berliner Kinos. OmU: Cinema Paris

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