Art Spiegelman : Der Bilderdenker

25.09.2012 00:00 Uhrvon
Entwurf für die amerikanische Ausgabe von „Maus 2“ (um 1991). Foto: Museum/Copyright Art Spiegelman
Entwurf für die amerikanische Ausgabe von „Maus 2“ (um 1991). - Foto: Museum/Copyright Art Spiegelman

Der US-amerikanische Zeichner Art Spiegelman hat nicht nur mit seiner Holocaust-Studie "Maus" die Welt der Comics verändert. Ein Preis, ein neues Buch – und eine Retrospektive.

Auf die Frage, wie es denn um den Comic stehe, nun, wo er auch im Museum gezeigt werde, antwortet Art Spiegelman bei der Eröffnung seiner Retrospektive schelmisch: Wenn ein Medium nicht mehr Massenmedium sei, müsse es eben Kunst werden – oder sterben.

Der Zeichner hat leicht reden im Kölner Museum Ludwig, das mit „Co-Mix – Eine Retrospektive von Comics, Zeichnungen und übrigem Gekritzel“ eine große Werkschau seiner Arbeiten zeigt. Spiegelman hat das Seinige zur Kunstwerdung eines früher als Schundliteratur verrufenen Mediums beigetragen. Mit einer elektronischen Zigarette entspannt im Museum sitzend, immer ein Bonmot parat, wirkt er, als wäre er als Botschafter in Deutschland unterwegs.

Und das ist er, ein Botschafter für Völkerverständigung und Comic-Kultur. Am Sonntag ist Spiegelman in Berlin mit dem Siegfried-Unseld-Preis ausgezeichnet worden, sein Buch „Metamaus“ erscheint nun auf Deutsch, die Analyse zu seinem Jahrhundertwerk „Maus“.

„Maus“ hat 1986 das Comic-Verständnis neu definiert. Spiegelmans Auseinandersetzung mit den Erlebnissen seines Vaters im Warschauer Ghetto und in Auschwitz, die Auswirkungen auf die Gegenwart und die Familiengeschichte ist ein ergreifendes Zeitzeugnis – und eine großartige Dokumentation dessen, was die Kunstform Comic zu leisten vermag. „Maus“ wurde einer der großen internationalen Comicbestseller und brachte dem Zeichner den Pulitzer-Preis ein.

Nun ist Spiegelman also zu musealen Ehren gekommen, obwohl er dem Museumsbetrieb eher kritisch gegenübersteht. Aber der große Preis der Stadt Angoulême 2011 und die Ausstellung dazu haben ihn zu einem Umdenken bewogen. Und das Museum Ludwig freut sich mit. Schon 2004 hatte man mit Robert Crumb („Yeah, but is it art?“) eine recht erfolgreiche Comic-Ausstellung präsentiert, nun ist Köln nach Paris die dritte Station der Spiegelman-Retrospektive. „Diese Ausstellung muss auch in Deutschland gezeigt werden“, so war man sich einig – die Betonung auf Deutschland legt nah, dass die Bedeutung hierzulande vor allem aufgrund des Themas seines berühmtesten Buches zustande kommt.

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