Kultur : Auf dem Kopf gedreht

TANZ

Sandra Luzina

Vielleicht war es bei einem headspin, als er auf dem Kopf kreiselte wie ein Propeller. Der Breakdancer Bruno Beltrão hat jedenfalls die Lust am Denken entdeckt. Von der Straße wechselte er zur Uni. Seitdem erforscht er, wie sich die Techniken des Breakdance mit Konzepten des zeitgenössischen Tanzes verbinden lassen. Mit dieser hybriden Form ist der Brasilianer der Exot beim Tanz im August. Beltrão geht es nicht allein um eine Feier des potenten Jungmänner-Körpers mit seiner aggressiven Energie. Das dreiteilige Programm im Theater am Halleschen Ufer zeichnet die Entwicklung nach von rasanter Akrobatik zu einem analytischen und abstrakten Tanz. „Too legit to quit“ zerlegt eine Breakdance-Battle nach dem Baukasten-Prinzip. Schilder informieren über die Namen der B-Boys und der Schritte. Locking, Popping, Uprock – das Repertoire wird abgehakt, doch diese Nachhilfestunde für ein unbelecktes Theaterpublikum wirkt wie Randale im Altersheim.

Das Duo „From Popping to Pop or vice Versa“ arbeitet mit Stille und Unterbrechung. Beltrão wirft einen genauen Blick auf die energetischen Qualitäten einer Bewegung und modifiziert die Formen. Dem muskelbetonten Macho-Stil steht ein elektrifizierender Robot-Stil gegenüber. Bei „Me an My Choreographer in 63“ hört das Publikum über Kopfhörer einen Dialog zwischen dem Choreografen und einem seiner Tänzer. Doch man meint in einen Bewusstseinsstrom des Tänzers Eduardo Hermanson hineingezogen zu werden: über Gott, den Körper und tote Hühner. Ein wildes Denken, das kühne Verknüpfungen schafft. Brennender Körper, brausendes Hirn (noch einmal heute, 20 Uhr).

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