Kultur : Auf zur Alpenfestung

„Captain America“ macht superböse Nazis fertig

von
Dienst für das Vaterland. Captain America (Chris Evans) im Einsatz.
Dienst für das Vaterland. Captain America (Chris Evans) im Einsatz.Foto: Jay Maidmen/Paramount

Schon durch die weltgeschichtlichen Ereignisse zu ihrer Entstehungszeit in den späten Dreißigern bekamen es viele Protagonisten aus der ersten Generation von Comic-Superhelden mit den Nazis zu tun. Superman, Green Lantern und andere durften den verhassten Führer und seine Spießgesellen vermöbeln und ihren Teil zur Rettung des Abendlandes beitragen. Doch wo deren Kämpfe nicht selten klamaukartige Elemente enthielten, erhob ein anderer seinen Krieg gegen Nazideutschland zu einer todernsten Mission. Captain America wurde zum Prototyp des patriotisch gesinnten Rächers, der später wie selbstverständlich den Kampf gegen die „rote Gefahr“ des Kommunismus zu seiner Sache machte.

„Captain America – The First Avenger“ schildert ausführlich die Genese des Titelhelden. Der schmächtige, kränkliche Steve Rogers (nach seinem Auftritt als „Menschliche Fackel“ in „Die Fantastischen Vier“ zum zweiten Mal als Superheld: Chris Evans) hat zwar äußerlich wenig Heldenhaftes an sich, dafür aber Mut und den unbeugsamen Willen, seinen Beitrag zum Krieg gegen die Nazis zu leisten. Der jüdische Emigrant Professor Erskine (Stanley Tucci) macht ihn zum Probanden eines geheimen SupersoldatenProgramms, wo er zum übermenschlich starken Muskelprotz aufgepumpt wird. Doch bevor er unter dem Kommando von Colonel Phillips (knurrig: Tommy Lee Jones) an die Front geschickt wird, muss er in einer lächerlichen Propagandashow als Stars-and-Stripes-Posterboy durch die Provinz tingeln, um Freiwillige für die Army anzuwerben.

Derweil wendet sich die Kriegslage in Europa zum Schlechten. Denn der sadistische Obernazi Johann Schmidt (keiner guckt gemeiner als Hugo Weaving), der durch Nebeneffekte des Supersoldaten- Serums zum grässlich entstellten Red Skull mutiert, hat die unerschöpflichen Kräfte eines außerirdischen Artefakts erschlossen, was ihm und seiner konspirativen Organisation „Hydra“ Zugang zu überlegener Alien-Technologie verschafft. Sein klassisches SuperschurkenZiel: die Weltherrschaft. Ein Fall für Captain America, der im Handstreich einen Trupp alliierter Kriegsgefangener befreit und mit ihnen die Alpenfestung des Red Skull angreift.

Nach „Iron Man“, „Hulk“ und „Thor“ ist „Captain America“ bereits das vierte Prequel, das auf die für 2012 angekündigte große „Avengers“-Verfilmung hinarbeitet. Es gibt diverse Kreuz- und Querbezüge: So ist etwa der technische Leiter des Supersoldaten-Programms Howard Stark, eine im Habitus und Namen an Howard Hughes erinnernde Erfindergestalt – und Vater des späteren Iron Man. Aber auch ohne die sich eher an Nerds richtenden Referenzen funktioniert „Captain America“ ausgezeichnet: Rasante Action, coole Sprüche, retrofuturistische Architekturen und Wunderwaffen (die nebenbei schön den utopischen Technik-Irrsinn der Nazis karikieren), eine zarte Love Story und Bösewichter, die ordentlich aufs Maul kriegen. Kein Film, von dem man noch seinen Enkeln erzählen wird, aber bestes Popcorn-Entertainment, wahlweise in 2- oder 3-D.

In 19 Berliner Kinos; Originalversion im Cinestar SonyCenter

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben