Kultur : Aus dem Automaten

Die Frühjahrsauktionen in New York werden zeigen, ob die Sammler die neuen Höchstpreise bei Christie’s und Sotheby’s zahlen wollen

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Kapitales Rauschen. Monets „Pappel“-Bild kostet 20 bis 30 Mio. Dollar. Foto: Christie’s
Kapitales Rauschen. Monets „Pappel“-Bild kostet 20 bis 30 Mio. Dollar. Foto: Christie’s

Kuscheltiere stehen hoch im Kurs, wenn im Mai bei den New Yorker Auktionen wieder einmal der Wert der Kunst demonstriert wird. Glanzstück von Sotheby’s „Contemporary“-Auktion am 10. Mai ist Jeff Koons „Pink Panther“, eine gut ein Meter hohe Porzellanfigur, Koons einstiger Frau Ilona Staller alias Cicciolina nachempfunden, die den legendären Pink Panther tätschelt. „Ich weiß nicht, was sie mit dem Pink Panther anderes tun könnte, als ihn nach Hause nehmen und damit zu masturbieren“, erklärte Koons das Werk aus der „Banality“-Serie von 1988. Als es ’99 bei Christie’s versteigert wurde, brachte das Werk den Rekordpreis von 1,81 Mio. Dollar. Nun ist es mit 20 bis 30 Mio. Dollar auf den nächsten Höchstpreis geschätzt.

Christie’s hat einen gelben, gegen eine Schreibtischlampe gelehnten Teddybär von dem Schweizer Künstler Urs Fischer: eine sieben Meter hohe und 25 Tonnen schwere Bronzeskulptur. „Eines der großen bildhauerischen Meisterwerke unserer Zeit“, rühmt Christie’s das Werk. Die Schätzung ist geheim, doch zehn Millionen Dollar wird man schon bezahlen müssen. Verkäufer ist der Immobilienspekulant Aby Rosen, der den Bären vor einiger Zeit von Christie’s-Boss François Pinault kaufte. Andere Besitzer dieser Leuchtskulpturen sind der Sammler Adam Lindemann und Hedgefonds Manager Steven Cohen – alles am Kunstmarkt bekannte Namen, was einmal mehr zeigt, wie klein der Kreis ist, der das Spitzensegment des Marktes bei Laune hält. Cohen verkauft diesmal auch wieder, offenbar aus verstärkter Lust auf Zeitgenössisches. Neben einer „Liz“ von Warhol bei Phillips de Pury stammt von ihm eines der schönsten Fauvisten-Gemälde auf dem Markt: „Paysage de Banlieue“ von Maurice de Vlaminck. Es hat in der Moderneauktion von Christie’s eine Rekordschätzung von 18 bis 25 Mio. Dollar – das Bild war zuletzt 1994 für 6,9 Mio. Dollar in einer Auktion.

Die Auktionen werden zeigen, dass der Kunstmarkt wieder ruhiger tickt. Das nervenaufreibende Auf und Ab ist dem regelmäßigen Verkauf von Spitzenwerken gewichen, von denen manche ihre Preise allerdings nicht erreichen, weil die Sammler klüger und umsichtiger geworden sind. Aber das Preisniveau ist hoch wie nie. War vor ein paar Jahren ein verkauftes Los von mehr als 10 Mio. Dollar eine Sensation, häufen sich nun die Angebote mit Schätzungen über 20 Mio. Dollar – über ein Dutzend davon. Christies bietet bei den Moderne-Auktionen am 3. und 4. Mai neben Vlaminck zwei hochkarätige Gemälde von Claude Monet an, ein Beispiel aus seiner Serie von Pappeln und ein Irisbild, das der Schweizer Einlieferer 1997 für 3,5 Mio Dollar ersteigerte und das nun das Fünffache kosten soll.

Mehr kunsthistorischen Verstand wird man für Picassos große Studie für das Hauptwerk „Les femmes d’Alger“ brauchen, für das 20 bis 30 Mio. Dollar angesetzt sind. Sotheby’s hat eine ganze Gruppe bedeutender Picassos, darunter ein Werk aus der zuletzt in London teuer bewerteten Serie von Thérèse Walther aus den 1930er Jahren. Im Februar kostete die lesende Thérèse 25,3 Mio. Pfund oder 40 Millionen Dollar – nun ist „Femmes Lisant (Deux personnages)“ in dem sie gleich zweimal vorkommt, auf 25 bis 35 Mio. geschätzt. Eine wichtige Gruppe aus einem amerikanischen Nachlass umfasst „Couple à la guitare“ von 1970, ein Werk des 88-jährigen Malers (10/15 Millionen Dollar)

Angebot und Schätzungen zeigen, dass die Kunstpreise weiterwachsen sollen. Das schönste Beispiel ist das vierfache Warhol-Selbstporträt, das Christie’s am 11. Mai versteigert – nach einem Foto-Automatenbild mit Sonnenbrille. Spätestens seit dem Aufstieg der „Fright Wig“-Porträts zu Kultobjekten sind Warhols Selbstdarstellungen unverzichtbar für ernsthafte Contemporary Sammler. Christie’s erzielte für ein großes Selbstporträt von 1967 im Februar 11 Mio. Pfund, nun geht es um Warhols erstes Selbstporträt. Die Einlieferin, die Sammlerin Florence Barron aus Detroit, hatte es 1963 für 1600 Dollar in Ratenzahlungen direkt beim Künstler erworben. Nun liegt die Schätzung bei 20 bis 30 Millionen Dollar.

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