Kultur : Aus der Traum

Enttäuschend: Yann Samuels „Vergissmichnicht“

von
schwarzweiss filmverleih
schwarzweiss filmverleih

Marie Curie, Maria Callas, Coco Chanel, Marlene Dietrich, Margaret Thatcher, Jeanne D'Arc – die großen Frauen der Weltgeschichte verwahrt Margaret (Sophie Marceau) in ihrer Schreibtischschublade. Immer wieder durchstöbert sie die Fotos auf der Suche nach einem starken Vorbild. Margaret hat sich als Top-Managerin weit nach oben gearbeitet. Aber dann kommt der 40. Geburtstag und mit ihm ein Notar, der einen versiegelten Umschlag übergibt, aus dem beim Öffnen Konfetti und einige bunte Kuverts herausfallen. Gerade einmal sieben Jahre war Margaret, als sie dem Notar einen ganzen Koffer voller Briefe überreichte, die er ihr an ihrem 40. Geburtstag zustellen sollte.

Bis ins kleinste Detail ist der Erinnerungsangriff von eigener Hand vorbereitet. Prilblumen, Zeitschriftenausschnitte, Muscheln, Perlen, Reiskörner, alte Fotos purzeln aus den Umschlägen, werden in liebevoll dekorierten Szenen zum Tanzen gebracht und künden von der Anarchie der Kindheit, in der sich Gedanken und Gefühle frei in alle Richtungen bewegen konnten. Den kreativ gestalteten Gedächtnisschnipseln wird das in kalte Grautöne gefasste Leben der Geschäftsfrau gegenübergestellt, die sich als zynisches „Material Girl“ vehement gegen die Erinnerung sperrt.

Allzu plakativ malt Yann Samuel in seiner Selbstfindungsdramödie „Vergissmichnicht“ den Kontrast zwischen rationalem Erwachsenendasein und verträumter Kinderwelt und schickt seine Protagonistin mit küchenpsychologischer Einfalt auf eine äußerst vorhersehbare therapeutische Reise. Pünktlich zur Filmhalbzeit wird mit einem Picasso-Zitat das Therapieziel formuliert: „Werde, der du bist“ sagt der Notar demonstrativ beiläufig zu Margarete, die von der Karrierezicke zur werdenden Mutter und Brunnenbauerin für strahlende afrikanische Kinder mutieren darf.

Hauptakteurin Sophie Marceau spielt diese Entwicklung leider gänzlich unsubtil – mit strenger Körpersprache und verhärteten Gesichtszügen, die bald mit reichlich Tränenflüssigkeit aufgeweicht werden. Schließlich aber ist es vor allem der Kontrast zwischen fantasievoller visueller Gestaltung und biederer Botschaft, der „Vergissmichnicht“ zu einem besonders enttäuschenden Kinoerlebnis macht. Martin Schwickert

Cinemaxx, Eva, Filmkunst 66, FT Friedrichshain; OmU im Babylon Mitte

0 Kommentare

Neuester Kommentar