Ausgehen in Berlin: Dresdner Straße in Kreuzberg : Tequila und Tigermilch

Tritt man aus dem Babylon-Kino in Kreuzberg, gibt es viele Möglichkeiten, für ein Getränk einzukehren - zum Beispiel auf einen Chilcano de Pisco in der Cevicheria.

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Lust auszugehen? Diese Woche gibts Tipps aus Kreuzberg.
Lust auszugehen? Diese Woche gibts Tipps aus Kreuzberg.Foto: dpa

Es gibt die seltsamsten Vorlieben, und wenn wir uns ehrlich befragen, werden wir feststellen: Viele von ihnen widersprechen sich auch. Wasch mich, aber mach mich bloß nicht nass. Das gilt im Besonderen beim Trinken, wobei ja niemand mehr trinkt, sondern alle nur noch unter Unterlass genießen. Der eine Kollege behauptet, nach Genuss von Rotwein nicht gut schlafen zu können, während ein anderer kontert, ihm ginge es ja bei Weißwein so. Worin sich viele einig sind: Die Säure im Wein ist von Übel und dem Wohlbefinden abträglich. Nur: Ein Wein ohne Säure steht genauso in seiner Kraft wie Tequila ohne Alkohol.

Wer aus dem Babylon-Kino in Kreuzberg auf die dicht mit Lokalen besiedelte Dresdner Straße tritt, die Zunge noch leicht gereizt von saurem Gummigetier, wendet seinen Schritt nach links, um bei Hausnummer 120 die Cevicheria zu erreichen. Hier geschieht alles mit liebevoll dosierter Säure, das Kochen wie das Trinken. Nach peruanischer Tradition werden roher Fisch und Meeresfrüchte in kaltem Limettensaft allein durch die Reaktion von Eiweiß auf Säure gar. Dazu kommen rohe Zwiebeln, Koriander und natürlich Chili. In der Variante mit „leche de tigre“ (Tigermilch) steckt mehr Schärfe, aber die mild lächelnde Bedienung räumt sofort ein, dass man sich hier am zahmen europäischen Niveau orientiert. Das gilt aber nicht für die Säure, denn die ist unbedingt mit ungebremster Wirkung nötig.

Was soll man dazu nur trinken? Der trockene Muscadet tut sich hier schwer, der Vinho Verde mit seiner zarten Süße schlägt sich da schon deutlich besser. Optimal aber passt der Chilcano de Pisco dazu, für den Pisco mit Ginger Ale, Eis und – natürlich – ordentlich Limettensaft gemischt werden. Das ist wunderbar erfrischend, ohne jede Schwere, und der sauerscharfe Fisch schwimmt munter durch den Mund. Schöner Nebeneffekt für alle, die gerade nicht verreist sind: In der „Cevicheria“ treffen sich junge Lateinamerikaner, und man taucht nach dem Kino gleich wieder in eine andere Welt ein.

So, wer jetzt noch meint, Riesling sei ihm zu sauer, der geht ein paar Schritte zurück nach rechts und kehrt bei Ottorink ein. Hier gibt es knackige deutsche Weine, viele von aufstrebenden jungen Winzern. Zum Beispiel von Christine Huff, die am Roten Hang von Nierstein charaktervolle Weiße keltert. Zu viel Säure? Nie im Leben!

Die letzte Folge "Ausgehen in Berlin" finden sie hier.

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