Ausstellung: Beste Plakate 2015 : Die Farben der Metropolen

Ideenvielfalt und Farbenspiel: Die Wanderausstellung die "100 Besten Plakate des Jahres 2015" zeigt im Kulturforum, wie sehr Werbebilder zum typischen Stadtbild gehören.

Julia Müller
Mao als Zeitungsschnipsel-Kollage.
Mao als Zeitungsschnipsel-Kollage.Foto: hesign Jianping He Design Taipei/100 Beste Plakate

Die Sehnsucht nach dem Meer gehört zum Sommer – selbst an verregneten Tagen. Und wenn sie nicht dem Mittelmeer oder der Ostsee gehört, richtet sie sich vielleicht auch nur auf den Plötzensee. In der Spielzeit 2014/2015 zierten verschiedenste Menschen die Plakate der Comédie de Genève, die eines verbindet: der Blick aufs Meer oder einen See. Eine Frau, bekleidet mit einem langen Leopardenmantel, steht am Strand und starrt aufs Meer. Der Betrachter sieht nur ihren Rücken, er schaut gewissermaßen mit ihr auf die Wellen. Die Ansicht erinnert an die Bilder des Romantikers Caspar David Friedrich.

Das Plakat ist eines der „100 besten Plakate 2015 Deutschland Österreich Schweiz“, die seit 2002 in einer Wanderausstellung alljährlich präsentiert werden. Ins Leben gerufen wurde der Wettbewerb vor 50 Jahren in der DDR. Das Kulturforum zeigt die Arbeiten, die nicht nur von professionellen Grafikdesignern stammen, sondern auch von Studenten erstellt wurden. Insgesamt gab es über 2 000 Einreichungen, aus denen online eine Vorauswahl von 964 getroffen wurde. Daraus ermittelte eine Jury die 100 Gewinner, die nun zu sehen sind.

Zwischen Collage und Digitaldruck

Von einem Plakat blickt Mao: eine Collage aus chinesischen Zeitungsschnipseln. Ein anderes zeigt den Digitaldruck eines Bernhardiners vor einem Bergpanorama. Wieder ein anderes präsentiert bunt ineinander verlaufende Gebilde – Werbung für das „Pleasure Gel“ des Kondomherstellers Durex. Es gibt Fotos, abstrakte Bilder, Zeichnungen, Plakate, auf denen nichts als Buchstaben zu sehen sind, mal in Neonfarben, mal in Schwarz-Weiß gehalten.

Die Ausstellung zeigt nicht nur den Ideenreichtum der deutschen, österreichischen und schweizerischen Plakat-Szene. Sie ruft den Besuchern auch ins Gedächtnis, wie wenig die Werbebilder aus den Metropolen wegzudenken sind – ebenso wenig wie der Sprung in den Plötzensee an einem heißen Sommertag.

Kulturforum, Matthäikirchplatz, bis 26.6., Di–Fr 10–18, Sa/So 11–18 Uhr, Eintritt ist frei.

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