Ausstellung "Black Bandits" am Lützowplatz : Hakenkreuz in Zartrosa

Das Haus am Lützowplatz nähert sich mit der Ausstellung "Black Bandits" dem Namensgeber des Platzes in Berlin Tiergarten: Adolph Freiherr von Lützow. Er führte das Bataillon der "Schwarzen Jäger" während der Napoleonischen Kriege an.

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Römer + Römer, Napoleon in Berlin am 28.10.2006, 2006
Römer + Römer, Napoleon in Berlin am 28.10.2006, 2006 Öl auf Leinwand, 200 x 250 cmFoto: Haus am Lützowplatz

„Eine hinter den Linien kämpfende Freiwilligeneinheit! Schwarze Uniformen und deutsche Flaggenfarben! Künstler und Intellektuelle im Kampf gegen Napoleon! Eine deutsche Jeanne d’Arc!“ Marc Wellmann, künstlerischer Leiter im Haus am Lützowplatz in Tiergarten, ist fasziniert vom „Lützowschen Freikorps“. Durch Zufall stieß er auf das Thema für seine Ausstellung „Black Bandits“. Von seinem Arbeitsplatz aus blickt er auf den Lützowplatz herab – und begann sich mit dessen Namensgeber zu beschäftigen.

Juni 1812. Die französische Grande Armée unter Napoleon überschreitet die Memel, die Litauen von Weißrussland trennt, und eröffnet damit die Großoffensive auf das Russische Reich. 475.000 Mann unter Waffen stehen 118.000 russischen Soldaten gegenüber. Napoleon erwartet einen schnellen Sieg. Doch der Vormarsch mündet in einer der schlimmsten Katastrophen der Militärgeschichte. Heftige Gewitter und Dauerregen setzen Napoleons Expansionsträumen ein Ende. Die Versorgungswagen bleiben stecken, Krankheiten grassieren, Hunger und Durst raffen Zehntausende dahin. Zum Schluss bleibt Napoleon nur noch die Flucht. Beflügelt von der französischen Niederlage bilden sich in Preußen zahlreiche Freiwilligenbataillone, die den französischen Streitkräften den finalen Schlag versetzen wollen. Eines von ihnen das Lützowsche Freikorps unter der Führung von Major Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow.

"Black Bandits" oder die "Schwarzen Jäger"

Zum Bataillon, wegen den schwarz gefärbten Uniformen auch „Schwarze Jäger“ genannt, gehören bekannte Persönlichkeiten wie der Romantiker Joseph von Eichendorff, der Pädagoge Friedrich Fröbel und Turnvater Jahn. Auch eine Frau mischt sich unter die Kämpfer: Eleonore Prochaska aus Potsdam – die deutsche Jeanne d’Arc. Die Ausstellung „Black Bandits“ nähert sich dem Thema mit knapp zwanzig Werken von Gegenwartskünstlern: Mal ist es knallige Pop-Art, mal sind es düstere Gemälde, dazwischen Videoinstallationen.

Die in Deutschland lebende afghanische Künstlerin Jeanno Gaussi zeigt sieben traditionelle afghanische Männerkleider. Sie sind bedeckt mit militärischen Abzeichen, etwa der Nato-Mission ISAF, die in der kriegsgebeutelten zentralasiatischen Republik auf vielen Märkten verkauft werden. Die Kleider symbolisieren die Patchwork-Uniformen, mit denen auch die Lützower 1813 in die Schlacht zogen. Neben der Installation flimmern Bilder afghanischer Männer in traditioneller Tracht über einen Bildschirm, die einen Volkstanz aufführen. Dahinter verbirgt sich eine Geste des Widerstands, denn die Taliban verbieten heute solche Tänze.

Afghanische Männerkleidung aus Uniformstoffen mit militärischen Insignien
Jeanno Gaussi, Peraan-et-Tombaan (Hemd und Hose), 2012 Afghanische Männerkleidung aus Uniformstoffen mit militärischen Insignien,...Foto: Haus am Lützowplatz

Hakenkreuz in Zartrosa

Jonathan Meese erinnert an die schwarze Uniform der Lützower. Sein ebenfalls schwarzer Arbeitsanzug klebt mittels Farbe und Kleister auf einer Leinwand. Inmitten einer wilden Farbmischung taucht plötzlich Nazisymbolik auf. In Zartrosa hat der Künstler auf die Jacke ein Hakenkreuz gepinselt, um allzu plakativ auf den nationalistischen Hintergrund des Lützowschen Freikorps zu verweisen.

Bei manchen Werken ist Fantasie nötig, um die Verbindung zu der legendären Truppe herzustellen, etwa bei der gläsernen Treppe von Johannes Albers. In ihrem Innern befinden sich Glasscherben, alte Akten, ein Flugzeugmodell als Anspielung auf eine unter den Teppich gekehrte Vergangenheit. Der Betrachter assoziiert dies kaum.

Wer war Lützow?, wollte Kurator Wellmann zu Beginn seiner Recherchen wissen. Dank ausführlicher historischer Erläuterungen erfährt der Besucher von „Black Bandits“ viel über die Hintergründe der Angehörigen des Korps. Die assoziierte Kunst wirkt jedoch großteils willkürlich, manchmal gar uninspiriert. Der guten Ausstellungsidee fehlt am Ende das stringente Konzept.

Haus am Lützowplatz, Lützowplatz 9, bis 21. Juni; Di–So 1–18 Uhr. Katalog 15 €

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