Ausstellung Ceija Stojka : Kreise der Hölle

Ceija Stojka überlebte mehrere KZs. Von den Achtzigern bis zu ihrem Tod 2013 stellte sie das durchlebte Grauen in Gemälden dar. Jetzt ist ihre Ausstellungstrilogie „Sogar der Tod hat Angst vor Auschwitz“ in Berlin zu sehen.

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Foto: Nachlass Ceija Stojka/VG Bild-Kunst
Unbetiteltes Gemälde von Ceija Stojka aus dem Jahr 2005.

Die Signatur von Ceija Stojka ruht auf einem farblosen, blattlosen Zweig. Er symbolisiert für die Malerin den „Lebensbaum“. Einen Baum im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Die Hungernden kauten seine Rinde. Die Ausstellungstrilogie „Sogar der Tod hat Angst vor Auschwitz“ zeigt den Zyklus vom Überleben eines Kindes im KZ fast vollständig. Im Kunstverein Tiergarten, der Galerie Schwartzsche Villa in Steglitz und der Gedenkstätte Ravensbrück (13. 7. bis 11. 9.) öffnen sich den Besuchern die Kreise der Hölle. Doch selbst in der völligen Trostlosigkeit tauchen winzige Zeichen des Lebens auf.

Ceija Stojka, 1933 in der Steiermark geboren, stammt aus einer Familie der Lovara-Roma, die auf Pferdehandel spezialisiert waren. Brüder und Neffen sind bekannte Musiker, sie selbst hütete die Lieder ihrer Vorfahren. Von den rund 200 Mitgliedern der Großfamilie überlebten nur wenige. Mit zehn Jahren wurde Ceija Stojka deportiert, erst nach Auschwitz-Birkenau, dann Ravensbrück, schließlich Bergen-Belsen. Dank der Klugheit ihrer Mutter überlebten sie und vier ihrer Geschwister.

Ihr Werk will die Teufel austreiben. Seit den Achtzigern bis zu ihrem Tod 2013 verlieh Stojka ihren Albträumen Gestalt auf Leinwand und Papier. Die Motive erinnern an Goyas Grafikserie „Schrecken des Krieges“. Aber Stojka ist Autodidaktin. Ihre Kunst ist von kraftvoller Direktheit. Auf Tuschzeichnungen wehen die Seelen der Ermordeten vorbei. Silhouetten von fleischfarbenem Pigment lassen die nackten Körper vor dem Auge erstehen. In massiven Acrylfarben bildet die Künstlerin peinigende Szenen nach, arbeitet einzelne Motive in den unterschiedlichen Techniken durch, knetet wütend Ekel, Zorn und Trauer.

Mal lösen sich die Umrisse bis zur Abstraktion auf. Dann wieder schildern konkrete Szenen mit Bildbeschriftungen Entlausung, Bestrafung, Fron. In Auschwitz dominiert der Lärm. Die bellenden Befehle der Aufseher. Die Schreie der Gezüchtigten. Das Geflatter der Krähen um den Schornstein. Den Gefangenen nehmen die lauten Unglücksvögel die Angst. Im typhusverseuchten Bergen-Belsen herrscht nur noch Stille.

In einer Dokumentation erzählt Stojka, wie sie sich zwischen den Leichen vor Wind und Wetter schützte, wie ihr die Toten so vertraut wurden, dass sie diese später vermisste. Ihre Zeichnungen zeigen sie als Schutzpatrone. Und sie zeigen den kahlen Lebensbaum. „Ihr dürft alles machen“, schärfte die Mutter den Kindern ein, „nur nicht den Ast abbrechen.“

Kunstverein Tiergarten, Turmstr. 75, bis 26. 7.; Di bis Sa 13–19 Uhr. Schwartzsche Villa, Grunewaldstr. 55, bis 31. 8.; Di bis So 10–18 Uhr. Katalog 35 €.

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