Ausstellung im Architektur Forum Aedes : Sinnliche Reise

U-Bahn klingt nach Stahl und Schmutz, weniger nach Kunst. Die U-Bahn Linie Düsseldorf hingegen ist ein Musterbeispiel für Ästhetik der Alltagswelt - und nun zu Gast bei Aedes am Pfefferberg.

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Die Station Pempelforter Straße in Düsseldorf.
Die Station Pempelforter Straße in Düsseldorf.Foto: Jörg Hempel

Wo gibt es das schon, dass der Neubau einer U-Bahn-Linie weltweit beachtet wird? Düsseldorf hat es geschafft: Die Wehrhahn-Linie, die zweite Linie quer durch die Stadt von einem S-Bahnhof im Norden (Wehrhahn) bis zu einem anderen im Süden (Bilk) mit sechs Untergrund-Stationen auf 3,4 Kilometern Länge wird als Ereignis von Architektur und Gestaltung gefeiert. 15 Jahre dauerten Planung und Bau bis zur Eröffnung im Februar. Jetzt ist bei Aedes am Pfefferberg in Zeichnungen, Modellen, Fotografien zu ersehen, warum das Projekt solche Aufmerksamkeit gefunden hat.

Im Wettbewerb wurde nicht nur ein Architekturbüro – netzwerkarchitekten aus Darmstadt –, sondern auch eine Künstlerin – Heike Klussmann aus Berlin – bestimmt, die Architektur und Kunst von den Zugängen an der Oberfläche bis zu den tief gelegenen Bahnsteigen in einem gemeinsamen Entwurfsprozess „zu einem räumlichen Gesamtkunstwerk“ zu verbinden. Also keine „Kunst am Bau“ als spätere 1,5-Prozent-Dreingabe, sondern ein vorneherein auf die Integration von Ingenieurbau, Architektur und Gestaltung gerichtetes Verfahren. Fünf weitere Künstler wurden neben Klussmann bestimmt, um die sechs Bahnhöfe mit einer je eigenen Handschrift zu versehen. Das gelang, weil es „in den neuen U-Bahnhöfen keine Plakate, keine Reklamefenster, keine Kommerzflächen“ gibt, wie es in dem zur Eröffnung publizierten Buch „Wehrhahn Linie“ heißt.

Die Fahrt wird zum sinnlichen Kontinuum

Der Grundgedanke der Gestaltung lautet „Kontinuum“ – nicht sechs beliebig gestaltete Haltestellen, sondern eine Art fortlaufender Gedanke sollte Gestalt annehmen, der den Fahrgästen ihren Zustand der Mobilität zugleich vorstellt wie verfremdet. Die Bahnhöfe sind mit weißgrauen Betonplatten ausgekleidet, die einen gleichbleibenden, neutralen Hintergrund liefern. Darauf sind mäandernde Texte, malerische Spuren, Andeutungen des gestirnten Himmels sowie Videoprojektionen zu sehen und einmal auch Lautsprecher mit Klängen wie in einem Konzertsaal zu vernehmen. Die Fahrt wird zum sinnlichen Kontinuum.

Angestoßen wurde das Projekt von dem kunstsinnigen, früh verstorbenen Oberbürgermeister Joachim Erwin, unter dem Düsseldorfs Haushalt schuldenfrei wurde. In der Rheinmetropole entstand ein Musterbeispiel für Ästhetik der Alltagswelt, aber mehr noch ein Vorbild an Wertschätzung ihrer täglich zehntausenden Nutzer.

Aedes Architektur Forum, Christinenstr. 18–19 (Pfefferberg), bis 9. Juni. Begleitbuch (Kerber Verlag) 40 €, www.aedes-arc.de

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