Ausstellung im Rijksmuseum Amsterdam : Kutter der Porzellankiste

Zart und kunstfertig: Das Rijksmuseum Amsterdam zeigt asiatische Schätze aus den Niederlanden des Goldenen Zeitalters.

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Gruß aus der Ferne. Das üppige Stillleben des holländischen Malers Pieter Claez aus dem Jahr 1627 demonstriert Wohlstand - auch durch eine aus China stammende Porzellanschale.
Gruß aus der Ferne. Das üppige Stillleben des holländischen Malers Pieter Claez aus dem Jahr 1627 demonstriert Wohlstand - auch...Foto: Rijksmuseum Amsterdam

Europa thront von Putten umringt auf Wolken und hält einen Behälter für Tee und eine kleine Vase in ihren Händen. Das Deckengemälde von Augustin Terwesten ist eine Allegorie auf „Die Einführung des Porzellans in Europa“. Es schmückt noch heute die Decke des Porzellankabinetts im brandenburgischen Schloss Oranienburg. Die Gesichtszüge der Europa besitzen keinerlei Ähnlichkeit mit denen von Amalia zu Solms-Braunfels, der Frau des niederländischen Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien.

Passend wäre es. Schließlich war es Amalia zu Solms-Braunfels, die den Boom für Chinoiserien an europäischen Fürstenhäusern mit beförderte – nicht zuletzt durch ihre Heiratspolitik. Ihre Töchter wurden mit deutschsprachigen Ehegatten vermählt. So gelangte Louise Henriette an Friedrich Wilhelm. Sie teilte die Vorliebe ihrer Mutter für feinstes asiatisches Porzellan und Lackarbeiten und ließ Schloss Oranienburg in diesem zeitgeistigen Geschmack einrichten. Ihre Schwester Henriette Catharina wiederum präsentierte im Teezimmer von Schloss Oranienbaum, das nahe dem Wörlitzer Park liegt, ihre Sammlung Blanc de Chine.

Die Wege der damaligen Asien-Begeisterung führten also auch durch Brandenburg und Anhalt-Dessau. So weit geht die Sonderausstellung „Asien – Amsterdam. Luxus im Goldenen Zeitalter“ im Amsterdamer Rijksmuseum zwar nicht, sie konzentriert sich vor allem auf die Niederländer und ihre Leidenschaft für diese exotischen Waren. Aber Amalia hat einen eigenen Raum bekommen, in dem exquisite und verspielte Exponate zu sehen sind, mit denen sie ihr Lustschloss Huis ten Bosch in königlichem Glanz dekorierte: eine kleine Porzellankanne in Form eines Elefanten, ein Krug über und über mit Perlmutt versehen, zwei große Schränke in feinster Lackarbeit und mitdetailreichen Darstellungen chinesischer Landschaften. Das ein oder andere Stück ging später auch in die Erbmasse der Kinder ein.

Die niederländische Ostindien-Kompanie brachte die Dinge ins Land

Insgesamt 170 Objekte aus China, Japan, Indien und Jakarta zählt die opulente Amsterdamer Ausstellung. Herbeigeschafft wurde all das einst von der Niederländischen Ostindien-Kompanie. Sie machte mit ihrer Seeherrschaft in Ost- und Südostasien im 16. und 17. Jahrhundert die Stadt Amsterdam zum Importzentrum für asiatische Kunst- und Alltagsgegenstände, betrieb aber auch Handel innerhalb Asiens. Eine frühe Form der Globalisierung. Anfangs vor allem für den niederländischen Adel bestimmt, verschifften die Kaufleute nach und nach solche Massen an Exportware in den Heimathafen, dass sich auch der niederländische Bürger seinen Salon mit dem neuen erschwinglichen Luxus schmücken konnte: mit Seide, Porzellan, Lackarbeiten, Tee und Gewürzen.

Auf Blüten gebettet. Überdecke, frühes 18. Jahrhundert (Ausschnitt).
Auf Blüten gebettet. Überdecke, frühes 18. Jahrhundert (Ausschnitt).Foto: Peabody Essex Museum, USA

Zahlreiche Porträts in der Schau belegen die weite Verbreitung. Auf Stillleben stecken üppige Blumensträuße in asiatischen Vasen. Die Zartheit der Materialien und die Kunstfertigkeit der Macher faszinierten die begierigen Abnehmer. Die berühmte Delfter Kachel trägt ihr Blau und Weiß seit dieser Zeit, es ist eine Nachahmung chinesischen Geschirrs. Und auch die Kunst ließ sich beeinflussen. So hängt Miniaturmalerei von Rembrandt neben Originalen aus Indien. Der Künstler muss im Besitz solcher Blätter gewesen sein und ließ sich von dieser fremden, zweidimensionalen Zeichentechnik inspirieren.

Andersherum erteilten die Kaufleute der Niederländischen Ostindien-Kompanie schon sehr bald Aufträge nach ihrem Geschmack bei den Handwerkern in Asien. In der Ausstellung finden sich dafür Dutzende Beispiele. So weist eine Kinderwiege aus Elfenbein und Ebenholz eine typische europäische Form auf, der indische Tischler hat sie aber mit mythologischen Fischmenschen und Vögeln verziert. Unter welchen Umständen die Exponate einst nach Amsterdam gelangten, wird nicht erzählt. Da verwundert es dann doch, dass die Kolonialherrschaft überhaupt nicht thematisiert wird. Das Rijksmuseum zelebriert selbstvergessen die Schönheit des Objekts. Der Besucher ist eingeladen in der Pracht zu schwelgen.

Rijksmuseum Amsterdam, bis 17. Januar. www.rijksmuseum.nl