Ausstellung : Sumpfblüten

Mit Geheimnis: Die Galerie Manzoni Schäper widmet der jungen Berliner Malerin Katharina Ziemke eine erste Einzelausstellung.

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Fiebrige Farben.
Fiebrige Farben.

Ein Leopard und ein Kind in einer Landschaft, die zwischen Geröll nur ein paar grüne Halme wachsen lässt. Ein seltsames Bild: Die Raubkatze liegt, der Junge berührt ihren Kopf, und man weiß nicht, was im nächsten Augenblick geschieht. Ist das hier gefährlich? Oder wird man Zeuge einer übersinnlichen Dressur, die das wilde Tier zum possierlichen Stubentiger macht.

Von Katharina Ziemke wird es darauf keine Antwort geben. Die junge Berliner Malerin, die unter anderem an der Pariser Ècole Nationale Supérieur des Beaux-Arts studierte und erstmals in der Galerie Manzoni Schäper ausstellt, arbeitet mit dieser kalkulierten Unschärfe. So erzählerisch ihre zwölf großen und kleineren Leinwände (Preise: 1800 –12 000 Euro) auch wirken, trotz aller Erkennbarkeit und manchmal fotografischen Detailversessenheit geben Figuren wie „Walter Yeo“ (2011) oder Schauplätze à la „Untitled (Institute)“ wenig preis. Weshalb es zwischen den Bäumen brennt? Keine Ahnung. Ob das Kind am Schaukelpferd nach intensivem Spiel einfach auf dem Parkett eingeschlafen oder doch vielleicht zu Tode gekommen ist – wer weiß?

Auch Katharina Ziemke verfügt nicht immer über vollständiges Wissen, denn die Vor-Bilder ihrer Sujets stammen aus dem Internet. Zufallsfunde, auf die sich die 1979 geborene Künstlerin dennoch inzwischen dank routinierter Kriterien verlassen kann. Historische Porträtaufnahmen gehören zu ihrer Beute, Ungeklärtes oder simple Landschaften, die nach ihrer Transformation in ein Ölgemälde unheilvoll schön erscheinen. Das liegt nicht zuletzt an ihrer Interpretation durch die Malerin, die schwarzweißes Material aus dem Web vorzieht. Um die Motive ohne jeden Bezug zur Realität mit jenen Farben zu kombinieren, die vor ihrem inneren Auge erstehen.

Dazu passt der Titel der Ausstellung, der erst einmal paradox erscheint: „Institute for the Blind“ nennt Katharina Ziemke ihr Bilderarrangement vor rot und blau gestrichenen Wänden. Ein bitterer Witz, denkt man angesichts der flächigen Bilder ohne jede haptische Eigenschaft. Bis ihr Patchwork-Prinzip zutage tritt: Sie sind echte Zwitter. Produkte der Fantasie, von der Künstlerin fortgesponnen, die „blind“ für die Wirklichkeit ist und sich aus dem Internet herunter geladene Bilder im Wortsinn ausmalt. Dabei basieren auf einem realen Kern, der aus dem Strom der Impressionen an die Oberfläche gelangt.

Beides fügt sich in das Konzept der Galerie, die jüngst ein Jahr geworden ist und Katharina Ziemke in ihr Programm mit jungen, internationalen Künstlern aufnimmt. Dazu zählen auch Barbara Breitenfellner, Damien Cadio und José Herrera, die ähnlich arbeiten: mit naturalistischen Elementen und figurativen Kompositionen, die den Eindruck rascher Durchschaubarkeit erwecken. In Wirklichkeit spielen sie mit den Versatzstücken der Realität und nutzen ihre visuelle Anziehungskraft, um den Betrachter auf ein sumpfiges Feld von möglichen Interpretation zu locken. Christiane Meixner

Galerie Manzoni Schäper, Potsdamer Straße 77 – 87, Haus H; bis 20. Oktober, Mi –Sa 11–18 Uhr

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