"In Italien wächst man in einem Freilichtmuseum auf"

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Ausstellung "The Botticelli Renaissance" : Venus ist das Maß
Ein Abendkleid im Stil Botticellis von Elsa Schiaparelli.
Ein Abendkleid im Stil Botticellis von Elsa Schiaparelli.Foto: Philadelphia Museum of Art

Dass es kaum einen italienischen Designer gibt, der nicht schon mal Bezug auf Botticelli genommen hat, ist laut Alessandra Arezzi Boza, einer Expertin für italienische Mode, nicht erstaunlich: „In Italien wächst man in einem Freilichtmuseum auf. Da muss man sich nur einmal umschauen – überall ist Kunst.“

Ein besonderes Verhältnis hatte der italienische Modeschöpfer Emilio Pucci (1914 – 1992) zu Botticelli. Er stammte aus einer Florentiner Adelsfamilie, deren Wurzeln sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Der Firmensitz ist noch heute im Palazzo, in dem die Familie Pucci von jeher lebt.

Berühmt wurde das Haus Pucci vor allem für seine Drucke. Die Anspielungen von Pucci auf die Gemälde Botticellis sind sehr subtil – der Modeschöpfer nahm Details und verfremdete sie. Alessandra Arezzi Boza, die lange für das Haus Pucci gearbeitet hat, dort das Archiv betreute und für Ausstellungen wissenschaftlich auswertete, wird im Rahmen der Berliner Ausstellung im November zu eben diesem Thema einen Vortrag halten.

Emilio Pucci hat aber noch eine viel ältere Verbindung zu Botticelli. Sein Vorfahre Giannozzo Pucci bekam als Hochzeitsgeschenk von seinem Freund Lorenzo I. de’ Medici vier Bilder geschenkt, die bei Botticelli in Auftrag gegeben worden waren. Drei dieser Bilder wurden später nach Spanien verkauft, sie hängen heute im Prado. Eins gelangte nach Großbritannien, dieses Bild kaufte Emilio Pucci in den sechziger Jahren zurück.

"Es ist gut, an die Wurzel zurückzugehen"

Alessandra Arezzi Boza hat beobachtet, dass in den vergangenen Jahren das Kunsthandwerk in der italienischen Mode wieder an Bedeutung gewinnt. In den siebziger Jahren war es von der fortschreitenden Industrialisierung verdrängt worden, denn „Made in Italy“ war so begehrt, dass die Produktion von Kleidung und Schuhen nicht schnell genug gehen konnte. Erst seit ein paar Jahren gibt es eine Rückbesinnung auf die handwerklichen Werte, die italienische Produkte so besonders macht.

Deshalb gefällt ihr als Kunsthistorikerin der Ansatz der Ausstellung, sich erst mit den Produkten und oberflächlichen Interpretationen von Botticelli auseinanderzusetzen und sich erst dann mit den Originalen zu beschäftigen. „Wir wurden bombardiert mit Botticelli, er wurde für alles benutzt und bedeutet deshalb nichts mehr. Ich glaube, viele wissen gar nicht mehr, wo diese Bilder überhaupt herkommen. Deshalb ist es gut, an die Wurzel zurückzugehen.“

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