Ausstellung über Liebe : Tatsächlich...Pheromone

Platzende Pheromonblasen und Liebesbekundungen in Endlosschleife: In einer Ausstellung im Weddinger Projektraum rosalux denkt die Künstlerin Johanna Smiatek über die Liebe nach.

Giacomo Maihofer
Seifenblasen, die mit Pheromonen gefüllt sind, schweben durch den Projektraum.
Seifenblasen, die mit Pheromonen gefüllt sind, schweben durch den Projektraum.Foto: privat

Ein Schritt zu nah, und der schwarze Kasten schickt Seifenblasen in den Raum. Sie schweben durch die Luft und schmiegen sich an die Haut. Unter ihrer schimmernden Oberfläche bergen sie ein Versprechen. Neben einem süßlichen Duft verbreiten sie synthetisierte Pheromone. Die Botenstoffe, die Wissenschaftlern zufolge die sexuelle Erregung steigern und maßgeblich unsere Partnerwahl beeinflussen.

Wer lange genug in diesem künstlichen Hormonregen steht, beginnt sich zu fragen: Ist das ein Kribbeln unter der Haut? Ein Lächeln meines Gegenübers? Ist dass das Glück, das einem in der Ausstellung „Most Wanted - Hier finden Sie das Glück“ im Weddinger Projektraum rosalux versprochen wird? Oder doch nur Seifenschaum?

Es ist wohl kein Zufall, dass die 1967 geborene Berliner Objektkünstlerin Johanna Smiatek ihre „Lovemachine“ direkt vor einen roten Seidenvorhang stellt. Er macht die Arbeit zur Kulisse und den Besucher zum Teil des Kunstwerks. Ähnlich wie in Smiateks früheren Werken. Etwa den Spiegelinstallationen, die sie im Georg-Kolbe-Museum in Berlin und der Hamburger Kunsthalle ausgestellt hat. Wenn man sich den Spiegeln näherte, begannen sie zu vibrieren – das Abbild verschwamm. Oder die Künstlerin selbst tauchte als Projektion auf und fragte: „Wer ist die Schönste im ganzen Land?“

So wie diese Arbeiten als ironischer Kommentar auf den inneren Narziss gemeint waren, kann man „Lovemachine“ als Seitenhieb auf die moderne Liebe verstehen. Smiatek führt das in der Ausstellung weiter: Ein Telefonhörer spielt Liebesbekundungen aus Filmschnipseln vor, daneben liegt ein Katalog, in dem die Künstlerin ihre Erlebnisse auf Partnerbörsen dokumentiert. Zusammen entfalten die Arbeiten eine Symbolik, die gleichermaßen schmunzeln lässt, wie sie Fragen nach dem Verhältnis von Kapitalismus und Liebe, Werbung und Romantik stellt. Ein wenig erinnert das an Studien der Soziologin Eva Illouz und ihr Begräbnis der romantischen Liebe als kapitalistischem Konsumgut. Smiatek lässt sie wieder auferstehen – als Seifenblase möglicher Wirklichkeiten.

Projektraum rosalux, Wriezener Str. 12; bis 18.9., Fr–Sa 14–18 Uhr. Brunch & Künstlergespräch: Sa 17. 9., 15.30 Uhr

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