Albanische Kunst : Im Sommer nach der Diktatur

Die Künstler drängt es nach Ausdruck und Performance: Julie August zeigt junge albanische Kunst.

Matthias Lehmphul
Enkelejd Zonja
Zweideutig: "Dilemmas", ein Selbstportrait von Enkelejd Zonja. -Foto: Enkelejd Zonja/18m

Enkelejd Zonja malt farbintensive Bilder im Großformat. Auf den ersten Blick meint der Betrachter, alles sei in Ordnung. Erst nach genauerem Hinsehen tun sich Abgründe auf. Verborgen im alltäglichen Geschehen sind korrupte Polizisten, maskierte Auftragsmörder, uneinsichtige Parteisoldaten zu sehen. Es sind Szenen aus dem neuen Albanien. Schwer wiegt die vergangene Zeit, vor allem, wenn sie verschwiegen wird.

Vierzig Jahre lang war Albanien von der Außenwelt isoliert. Die neu gewonnene Freiheit 1989 brachte nicht die erhoffte Befreiung, vor allem kein besseres Leben, sondern sie stürzte die Menschen in Depression und Korruption. Zonjas Bilder wirken wie Momentaufnahmen aus dem Puppentheater. Der Mensch wird zur Marionette degradiert. Die Sprachlosigkeit vor der eigenen Geschichte erhält eine Form. Und Zonjas Kunst durchbricht die angestaute Lethargie.

Seine Bilder sind nun an einem unkonventionellen Ort zu sehen, in der 18 m – Galerie für Zahlenwerte von Julie August, die ihren Schöneberger Wohnraum in ein Atelier und offenes Kunstforum umgewidmet hat. Neben Zonja stellt die junge Galeristin hier Fotografien von Adela Demetja aus. Auch Demetja dokumentiert die Narben der albanischen Seele. Ihre Aufnahmen zeigen Überreste der Gewaltherrschaft von Diktator Enver Hoxha. Die Hauptstadt Tirana erscheint als trostlose Steppe grasender Pferde. Demetjas Postkartenperspektive täuscht das Auge des Betrachters, indem sie Bunker, Klatschmohn und Sonne zusammenbringt. Die jungen Künstler drängt es nach Ausdruck und Performance. Sie suchen nach einer Sprache, um die Ketten der selbst auferlegten Unterdrückung in der postkommunistischen Ära zu sprengen. Zurück bleiben gemischte Gefühle.

18m Galerie für Zahlenwerte, Akazienstr. 30, bis 10.9.; am 18. 8./10. 9. ab 18 Uhr sowie nach Vereinbarung, www.18m-galerie.de

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