Kultur : Autark in der Kommune

Die Punk-Doku „Noise and Resistance“

von

Buntes Haar, zerfetzte Klamotten, verzerrte Akkorde – mit diesem Dreiklang hat es der Punkrock weit gebracht in der westlichen Pop-Kultur. Als Modephänomen und Musikgenre ist Punk bestens etabliert. Die steilen Karrieren von Bands wie Green Day oder Blink 182 zeigen das. Allerdings nun zu meinen, der ursprüngliche, widerständige Geist des Punk sei komplett vom Mainstream aufgesaugt und gezähmt worden, ist ein Irrtum: In einer hochvernetzten, sehr quirligen Subkultur lebt er weiter.

Wie vielfältig, politisch aktiv und kreativ diese Underground-Welt aussieht, zeigen Francesca Araiza Andrade und Julia Ostertag in ihrem anregenden Dokumentarfilm „Noise and Resistance“. Sie besuchen Hausbesetzer-Punks in Barcelona, niederländische Gewerkschaftsaktivisten, schwedische Frauen-Punkbands, eine antifaschistische Band aus Russland und die britischen Punk-Pioniere von CRASS. Für alle ist die Musik nur ein Aspekt ihres Punk-Lebensstils. Genauso wichtig sind ihnen Freundschaft, Freiheit und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.

Das oberste Gebot dabei ist stets: Do it yourself. Ob es darum geht, Plakate zu malen, T-Shirts zu bedrucken, Gitarre spielen zu lernen oder eine Bühne zu bauen – die Punks wurschteln in Eigenregie. Hinter dieser DIY-Philosophie steht der Gedanke, sich der kapitalistischen Konsumwelt zu entziehen. Deshalb sind auch die Konzert-Eintrittspreise niedrig. Den Bands der Szene ist Zusammenhalt und Spaß wichtiger als kommerzieller Erfolg.

Besonders konsequent in seinem Streben nach Autonomie ist das norwegische Duo La Casa Fantom: Die Musiker wohnen in einer Waldkommune, ohne Strom und fließendes Wasser. Leider zeigt der Film nur Fotos, und man erfährt nichts über den Alltag dieser „Forestpunks“ – etwa wo sie proben und welche Nöte sie zu überwinden haben. Das Gleiche gilt für das Segment in Russland, das eine eigene Dokumentation wert gewesen wäre. Punk sein ist in Putins Reich extrem politisch – und lebensgefährlich. So wurde ein Fan der Band What We Feel nach einem Konzert von nationalistischen Schlägern umgebracht, weshalb die Gruppe bei zahlreichen Benefizkonzerten nun für die antifaschistische Bewegung auftritt. Ihr Gebrüll gegen das System ist kein bisschen spaßig, sondern todernst. Nadine Lange

Central, Lichtblick, Moviemento

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar