Barberini-Direktorin im Interview : "Wir haben alle Freiheiten"

Ortrud Westheider erzählt über ihre Ideen für das Museum Barberini und Synergien mit anderen Häusern.

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Die Leere ist gefüllt. Vor der Eröffnung ließ Museumsleiterin Ortrud Westheider gern die blanken Wände der frisch sanierten Räume auf sich wirken.
Die Leere ist gefüllt. Vor der Eröffnung ließ Museumsleiterin Ortrud Westheider gern die blanken Wände der frisch sanierten Räume...Foto: Thilo Rückeis

Frau Westheider, mit dem Palais Barberini wird Potsdams Alter Markt wieder zunehmend zu einem Ensemble. Der Platz galt einst als einer der schönsten in Europa. Wie erleben Sie diesen Ort?

Wann gibt es das schon: Ein Zentrum mit viel Geschichte, das ganz neu gestaltet und konzipiert werden kann. Es gibt das riesige Potenzial, die Altstadt zu erweitern, den Alten Markt mit Kunst und Kultur zu füllen. Hier kann ein richtiges Museumsquartier entstehen – mit dem Potsdam-Museum, dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte und den vielen Wissenschaftsinstitutionen in der unmittelbaren Nachbarschaft. Auch hinter den schönen Fassaden herrscht Betrieb, und es gibt den Wunsch, zusammenzuarbeiten, einen Anziehungspunkt für die Besucher aus Potsdam und aller Welt zu bilden.

Noch einmal zurück zum Standort: Wo stehen Sie am liebsten – auf dem Platz oder im Gebäude?

Ich komme mit dem Fahrrad angeradelt. Das ist immer ein toller Moment, wenn ich über den Alten Markt auf das Museum Barberini zufahre. Aber natürlich bin ich im Gebäude selbst am liebsten, vor allem in den hohen Räumen. In der Zeit vor der Eröffnung habe ich immer wieder die Chance genutzt, im Gebäude spazieren zu gehen, um die Leere in mich aufzunehmen und mir vorzustellen, was wir dort künftig machen werden: Welche Formate wählen wir? Was passt gut in welche Räume? Wie gehen wir mit Wandfarben um? Das Publikum war bei der Vorbesichtigung im Dezember völlig überrascht, was die Architekten aus den ehemaligen Wohnräumen gemacht, wie sie Höhe und Großzügigkeit für die Galerieräume gewonnen haben. Die Kubatur des alten Gebäudes ist erhalten geblieben, aber aus dem ehemaligen Fünf- wurde ein Dreistöcker, so dass man nun diese Deckenhöhe hat.

Sie eröffnen ein komplett neues Museum. War das ein Abenteuer?

Ich bin zu einem Zeitpunkt nach Potsdam gekommen, als der Bau bereits auf gutem Wege war und ich nur noch die Abschlussarbeiten miterlebt habe. Es gab da keine terminlichen Schwierigkeiten, nichts, worüber ich mir Sorgen machen musste. Das ist ein Geschenk. Ich konnte mich auf die Inhalte, die langfristige Bespielung und Kooperation mit den Partnern konzentrieren. So konnte ich in dem halben Jahr, in dem ich hier bin, Kontakte knüpfen und mit der Phillip’s Collection in Washington Verbindung aufnehmen, so dass wir hier im Sommer 70 Werke der amerikanischen Moderne zeigen können. Das steht jetzt an: dem Museum einen Ruf zu verleihen, auch bei internationalen Partnern. Dafür habe ich gute Voraussetzungen gefunden. Viele künftige Leihgeber haben uns bereits besucht und Klima und Sicherheit im Gebäude überprüft.

Palais Barberini: Potsdams neue Stadtkrone
Der Alte Markt in Potsdam nimmt wieder Form an, Aufnahme aus dem Sommer 2016.Weitere Bilder anzeigen
1 von 38Foto: Museum Barberini
23.01.2017 12:54Der Alte Markt in Potsdam nimmt wieder Form an, Aufnahme aus dem Sommer 2016.

Sie bespielen 2200 Quadratmeter, 17 Räume insgesamt. Das ist ein Sprung vom Hamburger Bucerius Kunst Forum mit seinen bisher 860 Quadratmetern. Wird Ihnen da nicht zwischendurch bang?

Nein, wir haben hier eine Sammlung im Rücken. Das Bucerius Kunst Forum ist ein reines Ausstellungshaus. Mit jeder neuen Ausstellung fängt man dort komplett bei Null an. Hier habe ich eine solide Ausgangsposition durch die Kollektion von Hasso Plattner, die beständig wächst. Es ist sein Wunsch, drei Mal im Jahre eine große Ausstellung zu machen. Wir sind ein junges Haus und werden dynamisch mit der Sammlung arbeiten. Wir wollen nicht einmal alles einrichten, und das war es dann, sondern immer wieder neue Angebote schaffen.

Wie ist die Aufgabenverteilung zwischen Ihnen und Hasso Plattner: Kauft er ein und Sie stellen aus? Oder geht es auch umgekehrt: Sie dürfen Erwerbungen tätigen und er bei der Planung mitreden?

Hasso Plattner sammelt intuitiv, mit großer Kennerschaft, einem Auge für Malerei. Das ist bewundernswert, denn als Kunsthistorikerin gehe ich mit ganz anderen Kriterien heran. Seine Themen – Landschaft, Farbe – interessieren mich schon lange in meiner wissenschaftlichen Tätigkeit, insofern ergänzen wir uns. In den ersten Jahren werde ich mich darauf konzentrieren, aus der Sammlung das Ausstellungsprogramm zu entwickeln. Ich freue mich über Neuankäufe, sehe aber im Moment nicht meine Aufgabe darin, dabei beratend tätig zu sein.

Welche Richtung schlagen Sie beim Ausstellungsprogramm ein: Wird es vor allem klassische Moderne geben oder greifen Sie auch in die Vergangenheit mit archäologischen Ausstellungen wie beim Bucerius-Forum? Wie sieht es aus mit der Gegenwartskunst?

Wir haben alle Freiheiten. Ich kann mir auch altmeisterliche Kunst im Gebäude gut vorstellen. Der lebendige Wechsel ist wichtig. Wir wollen mit anderen Häusern in der Stadt zusammenarbeiten. Potsdam ist ein großes Kultur- und Gartenreich. Das Thema Landschaft, das in der Sammlung Plattner eine große Rolle spielt, wäre ein Ausgangspunkt, der gut zu allen in Potsdam passt. Und es gibt weitere Anknüpfungspunkte in der Geschichte, beim Holländischen Viertel oder der französischen Kultur, die hier immer gepflegt wurde. Mit solchen Traditionslinien werden wir uns beschäftigen.

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