Bayreuther Festspiele : Frank Castorf schimpft auf Bayreuth

"Ring"-Regisseur Frank Castorf ist wütend auf die Festspiel-Chefinnen, er hat sich sogar schon anwaltlichen Beistand bei Gregor Gysi geholt. Kurz vor Eröffnung der Bayreuther Festspiele und der Wiederaufnahme seines "Rings" macht er dem Grünen Hügel eine Kampfansage.

Frank Castorf, 63, sagt im "Spiegel": "Überall herrschen Angst und vorauseilender Gehorsam." Und dass Bayreuth ihn an den Osten  erinnert.
Frank Castorf, 63, sagt im "Spiegel": "Überall herrschen Angst und vorauseilender Gehorsam." Und dass Bayreuth ihn an den Osten ...Foto: dpa

„Ring“-Regisseur Frank Castorf geht mit den Bayreuther Festspielchefinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier hart ins Gericht. Kurz vor der Eröffnung der Wagner-Festspiele am Freitag sagte der Chef der Berliner Volksbühne im „Spiegel“-Interview, er habe sich „anwaltlichen Beistand bei Gregor Gysi geholt“. Erst nach vier Wochen Arbeit an der Wiederaufnahme seines „Ring des Nibelungen“ habe er von der Umbesetzung des ihm wichtigen Alberich-Sängers Martin Winkler erfahren, und das nur über Umwege: „Als wäre ich ein Idiot“. Auch habe man versucht, ihm ein NPD-Plakat auf der Bühne zu verbieten, das Verbot sei allerdings zurückgenommen worden. „Ich merke, dass all die Anarchie, die mein Bühnenbildner Aleksandar Dénic und ich hier vergangenes Jahr reingebracht haben, nicht mehr erwünscht ist.“ 2013 habe es eine ungeheure Unterstützung gegeben, aber jetzt gehe es der Festspielleitung nur noch um den Machterhalt. Vielleicht lohne es sich, „den Skandal zu suchen, damit man darüber diskutiert, wie so ein Hans anders geleitet werden könnte“.
Castorf hatte kurzfristig die Regie für den Jubiläums-„Ring“ zum 200. Wagner-Geburtstag 2013 übernommen. Seine Inszenierung, die unter anderem in Aserbeidschan und am Berliner Alexanderplatz spielt, hatte sowohl Jubel als auch Buhstürme hervorgerufen. Weiter sagte der 63-Jährige, von einer Werkstatt Bayreuth könne nicht die Rede sein. „Die finanziellen Möglichkeiten in Bayreuth sind bis zur Karikatur geschrumpft.“ Was die Atmosphäre betrifft, herrschten „Angst, Vorsicht, vorauseilender Gehorsam. Ich kenne das aus dem Osten. Man legt Wert auf das Prinzip der Hierarchie.“ Nichts solle nach außen dringen. Schon die Videoleute, die im „Ring“ auf der Bühne stehen, seien „für viele potenzielle Feinde“, weil ihre Kameras etwas aufzeichnen könnten.
Was seine Vertragsende als Chef der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz betrifft, sagte Castorf dem „Spiegel“: „Ich bin mir im Moment gar nicht sicher, ob es gut ist, 2016 aufzuhören.“ Wegen der künstlerischen Krise des Hauses steht Castorf schon länger in der Kritik. Tsp