Beatles-Doku von Ron Howard : Wir Kirmesmusiker

Von Hamburg bis Amerika: Der neue Dokumentarfilm von Hollywood-Regisseur Ron Howard begleitet die Beatles auf Tour und erinnert an die größten Momente der Fab Four.

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George, John, Paul und Ringo, im Herbst 1962 in Liverpool.
Flotter Vierer. George, John, Paul und Ringo, im Herbst 1962 in Liverpool – eine Einstellung aus Ron Howards „The Beatles – Eight...Foto: Studiocanal

Am Ende, als die Beatles in amerikanischen Stadien spielten, kreischten die Fans so laut, dass die vier Musiker sich untereinander nicht mehr verstehen konnten. Ringo Starr, der hinten auf der Bühne an seinem Schlagzeug saß, musste aufpassen, wann John Lennon und Paul McCartney klatschten oder mit den Füßen aufstampften, um den Einsatz nicht zu verpassen. „Unsere Musik wurde nicht gehört“, sagt John Lennon. „Es war eine Freakshow.“

In Cleveland stürmten Zuschauer die Bühne, in Memphis gab es Bombenalarm. Die Firma Vox hatte übergroße Verstärker geliefert, aber sie reichten nicht aus, um sich gegen das Getöse in den Großarenen durchzusetzen. So endete die Tourneekarriere der Beatles am 29. August 1966 im Candlestick Park von San Francisco: in gespenstischem Krach.

Sensationelle Farbaufnahmen der Auftritte in Amerika

In einem gepanzerten Fahrzeug, das an einen Geldtransporter erinnerte, wurden die Musiker zum Flughafen gefahren. Sie fluchten, weil sie an jeder Kurve gegen die Türen geschleudert wurden. „Das war’s“, verkündete George Harrison. „Ich bin kein Beatle mehr.“ Glücklicherweise stimmte das nicht, ihre besten Alben sollte die Band noch aufnehmen. Drei Monate später erschien das Meisterwerk „Sgt. Pepper’s“.

Die Beatles waren bei ihren Konzertreisen immer weniger zu hören. Aber stets gut zu sehen. Das Sensationelle, Staunenmachende an Ron Howards Dokumentarfilm „The Beatles – Eight Days a Week“ über diese „Touring Years“ sind die Farbaufnahmen, die er von ihren Auftritten in Amerika aufgetrieben hat. Die vier tragen streng geschlossene schwarze, graue oder hellbraune Banduniformen, in denen sie wie Kellner aussehen. John und Paul schütteln die Köpfe, teilen sich beim Refrain ein Mikrofon in Mundgeruchsnähe, der scheue George wackelt nur dezent, Ringo wütet an den Drums. Fetzen ihrer Songs dringen rumpelnd durch den Lärm. Rock and Roll Music, Day Tripper, She Loves You. Kirmesmusik.

Ron Howard, bekannt durch emotional aufgeladene Spielfilme wie „A Beautiful Mind“ und „Apollo 13“, macht auch seine Dokumentation zum Drama. Er erzählt, wie vier talentierte, aber unbedarfte Jungs aus Liverpool zu Erlöserfiguren aufsteigen und an der Größe des Erfolgs scheitern. Leider weicht Howard immer wieder von seiner Linie ab, den Beatles nur über die Bühnen zu folgen, und schildert das kurze Leben ihres Managers Brian Epstein oder zeigt ihre Arbeit im EMI-Studio. Beides interessant, beides etwas für einen anderen Film.

In ihren besten Momenten waren die Beatles göttlich

Die Geschichte der Beatles wird weitgehend von den Beatles selbst referiert. McCartney tut dies in ausschweifenden Anekdoten, Ringo Starr mit hartem komischen Punch. Lennon und Harrison sind in Archivaufnahmen präsent. Manche Gesprächspartner erweisen sich als Glücksgriff, etwa Radioreporter Larry Kane, der die Band 1964/1965 bei ihren US-Tourneen begleitete und vorher von seinem Vater gewarnt wurde: „Diese Leute sind eine Bedrohung für unsere Kultur.“ Warum aber auch der Komiker Eddie Izzard oder ein Broadway-Komponist reden, obwohl sie nichts zu sagen haben, bleibt unklar.

„Am Anfang war alles ganz einfach“, bilanziert McCartney. Der Anfang als Profis, das waren die Monate als Reeperbahn-Musiker in Hamburg, damals die „verruchteste Stadt der Welt“, so Harrison. „Und ich war 17!“ In Japan kam es zu Morddrohungen, als die Beatles in der Budokan-Halle spielten, die Nationalisten heilig war. Auf den Philippinen musste die Band flüchten, weil sie sich nicht vom Diktator Marcos einladen lassen wollte. In Amerika wurden ihre Platten verbrannt, weil Lennon gesagt hatte, die Beatles seien „größer als Jesus“. Stimmt, in ihren besten Momenten waren sie göttlich. Etwa als sie am 30. Januar 1969 ihr letztes Konzert auf dem Dach des Apple-Records-Hauses in London gaben. Langhaarige Engel, im Film spielen sie „Don’t Let me Down“.

In 14 Kinos; OmU: Alhambra, b! ware, Filmkunst 66, Hackesche Höfe, Rollberg, Neukölln Arcaden, Titania Palast

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