Kultur : Beim Sextourismus in Marokko verliert, wer zahlt

F. N.

Es fängt alles so schön an. Simon Bischoff porträtiert einen älteren Schwulen, der nicht jammert und an bessere Zeiten zurückdenkt, sondern sein Leben in vollen Zügen genießt. Jean Neuenschwander ist vom Postangestellten zum Hoteldirektor aufgestiegen und hat mit 51 Jahren aufgehört zu arbeiten, um sich in Tanger niederzulassen. Wie er ganz offen zugibt, haben ihn auch die niedrigen Preise gelockt: für einen Stricher zahlt man hier weniger als anderswo. "Mon beau petit cul" ("Mein süßer kleiner Arsch") ist über weite Strecken flott und witzig - und dann plötzlich nur noch monoton und peinlich. Immer wieder dieselben körperlichen Vorzüge, von denen geschwärmt wird, immer wieder der Missbrauch des Wortes "Freund". Soll man diesen Mann hassen oder bedauern? Wohl eher letzteres. Die marokkanischen Gigolos besitzen zuviel Stolz, um sich nach Strich und Faden ausnutzen zu lassen. Es ist Neuenschwander, der einem am Ende leid tut. Etwas anderes als Abhängigkeitsverhältnisse hat er nie kennen gelernt. Er erklärt sich selbst zur Norm: Männer müssen immer zahlen, so sei das nun mal. Man kann nur hoffen, dass ihn niemand über seinen Selbstbetrug aufklärt. Simon Bischoff macht jedenfalls nicht den Eindruck, als wolle er kritische Fragen stellen.Xenon (OmU)

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