Bela B als singende Friseuse in dem Film "King Ping" : Blau blüht die Himmelsleiter

Wuppertal kann auch ganz schön lustig sein, selbst wenn dort die Beklopptesten aller Bekloppten zuhause sind: Die Retro-Chic- und Trash-Komödie „King Ping“.

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Schrei nach Liebe. Ärzte-Musiker Bela B. als Szenefriseurin Biggie in Claude Giffels „King Ping“. Foto: Rex Film
Schrei nach Liebe. Ärzte-Musiker Bela B. als Szenefriseurin Biggie in Claude Giffels „King Ping“. Foto: Rex Film

Es wurde langsam Zeit, dass man mal wieder etwas von Wuppertal hört. Dass im Zusammenhang mit dieser Stadt zur Abwechslung einmal nicht von Kulturabbau, Siebziger-Jahre-Charme und Sterben die Rede ist, sondern davon, dass hier „die beklopptesten Typen im ganzen Ruhrpott“ zu Hause sind. Oder die Stadt nicht nur ihre Schwebebahn hat, sondern auch gut 500 Treppen und bestimmt 80 Sekten. Ob diese Zahlen wirklich stimmen? Wuppertal spielt jedenfalls eine nicht ganz kleine Rolle in „King Ping“, einer von Dirk Michael Häger und Christoph Schmidt produzierten und von Claude Giffel gedrehten Komödie, die über private Gelder, Crowdfunding und mit Hilfe zahlreicher Spender und Sponsoren aus Wuppertals Wirtschaft finanziert wurde.

Man könnte nun auch ausrufen: Ausgerechnet Wuppertal! Aber dieser Schauplatz ist ideal für ein Kino-Werk, das vor allem daneben und witzig und auch cool sein und nicht in erster Linie eine gute oder gar aufregende Geschichte erzählen will. In dem die Ausstattung enorm wichtig ist und die Siebziger-Jahre-Tristesse Wuppertals als Retro-Chic präsentiert wird: von seltsam brauntönenden Szeneläden, die man eher aus Hamburgs Schanzenviertel oder Berlin-Kreuzberg kennt, bis hin zu den wunderbaren Autos, mit denen die Protagonisten umherkurven – etwa einem Fiat 500 oder einem Alfa Spider.

Der Film erinnert auch an Quentin Tarantino

Da das Ganze denn doch durch eine Handlung zusammengehalten werden muss, sieht man einen Großteil des Filmpersonals zu Beginn bei einem Kulturevent in einer Fabrikhalle herumstehen und sich gegenseitig beäugen. Da ist die Hauptfigur, der Pinguin-Pfleger und vom Dienst suspendierte Polizisten Clemens „King“ Frowein (Sierk Radzei); dann sein Freund, der schwule Türsteher Wölfken (Hans-Martin Stier), der später am Abend mit seiner Metal-Band Stier auftritt und dabei sehr viel Bauch zeigt; oder die eiskalte Pathologin Luna (Jana Voosen). Und schließlich ein Exkollege von Frowein, der nach der Partynacht tot auf einer Wuppertaler Treppe gefunden wird: Genickbruch.

Frowein glaubt, dass der Mann ermordet wurde, und stellt Ermittlungen an. Sein Verdacht bestätigt sich, als zwei weitere Treppentote gefunden werden. King Frowein entdeckt an den Tatorten blaue Blumen, Himmelsleiter genannt, und in allen bevorzugt mit A.-J.-Cronin-Titeln ausgestatteten Bibliotheken der Opfer ein Buch mit dem Titel „Der Weg nach oben“, von einem gewissen Ray C. Licht. Der hat mit seiner Sekte einst in Wuppertal sein Unwesen getrieben.

Der Fall und seine Auflösung werden immer undurchsichtiger, was aber völlig egal ist. „King Ping“ lebt eben von allerlei, bloß nicht von seiner Story. Immer wieder laufen Sprechblasen wie in einem Comic übers Bild, oder es werden Schautafeln mit Sinnsprüchen eingeblendet; es gibt viel Musik, eine Mischung aus Sixties-Beat, deutschem Schlager und Funpunk, und dazu wird das Geschehen illustriert durch zahlreiche weitere Figuren, die vor allem eins sein sollen: skurril – und ausgestattet mit einer leichten Schramme. Der Berliner Ärzte-Musiker Bela B. zum Beispiel, der die Chanteuse und Friseuse Biggi darstellt; oder (der tatsächlich in Wuppertal geborene) Christoph Maria Herbst als Lokalreporter, dem von Frowein immer das Mikro aus der Hand geschlagen wird; oder die wirklich hinreißende Lilay Huser als kettenrauchendes Nachbarschaftswaschweib.

Manchmal dominiert der Eindruck, dass diese Menschen aus Wuppertal alle schon ganz schön alt sind und „King Ping“ Alter und Kaputtheit mit viel Vergnügen ausstellt; manchmal wirkt der Humor des Films eine Idee zu angestrengt, da sehnt man sich nach dem Hamburger Studio-Braun- oder „Fractus“-Witz, der vor Pointen stets auf der Hut ist.

Im Großen und Ganzen ist „King Ping“ aber ein einziges Vergnügen; ein hübscher Genremix aus Polizeifilm-Parodie, Trash-und Musikfilm, eine Nummernrevue, die nicht zuletzt etwas Tarantino-haftes hat: mal Deutsche-Provinz-Tarantino, mal Tarantino für Arme. Und das muss man ja auch erst einmal hinbekommen.

In den Kinos Babylon Mitte und Cinemaxx

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