Berlin und seine Kulturbaustellen : Vorübergehend geschlossen

Zehn Musentempel sind oder werden in Berlin für die Öffentlichkeit gesperrt. Nicht immer gibt es einen Termin für die Wiedereröffnung. Betroffen ist vor allem die Kunst der Moderne. Eine etwas andere Stadttour.

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Berlinische GalerieGeschlossen seit 1. Juli Wiedereröffnung im Frühjahr 2015
Berlinische GalerieGeschlossen seit 1. Juli Wiedereröffnung im Frühjahr 2015Foto: promo

Staatsoper

Geschlossen seit Juni 2010
Kein Termin für die Wiedereröffnung
Berlins berühmteste Kulturbaustelle steuert auf die 300-Millionen-Euro-Marke zu, wobei der Bund die meisten Kosten trägt. 2010 zogen Barenboim, Flimm und Co. ins Interimsquartier im Schillertheater; 2013 wollte man wieder Unter den Linden sein. Inzwischen ist es wie beim BER: Senatsbaudirektorin Regula Lüscher nennt noch nicht mal einen Termin für die Bekanntgabe eines Termins zur Wiedereröffnung. Kostenexplosion, schlechtes Krisenmanagement, Kommunikationspannen: „Hätten wir damals gesagt, wir machen erst ein Jahr nach dem Auszug eine genaue Zeitplanung, dann, wenn wir wissen, was alles marode ist, hätte das niemand akzeptiert“, sagte Lüscher kürzlich im Tagesspiegel. Man wusste, wie’s richtig wäre, aber das eigene Image ging vor. Gegen solche Wackelpartien ist die Stabilisierung des Bühnenturms ein Klacks. (chp)

Kunstgewerbemuseum

Geschlossen seit Januar 2012
Wiederöffnung im Herbst, ohne Termin
Im Kunstgewerbemuseum hat Geduld Tradition. Architekt Rolf Gutbrod wurde 1966 mit der Planung beauftragt, es dauerte fast 20 Jahre, bis das Haus am Kulturforum 1985 eröffnete. Es beherbergt unter anderem eine kostbare Kostümsammlung, die legendären Röntgen-Möbel und Design-Ikonen des 20. Jahrhunderts. Den nächsten Wettbewerb für einen voraussichtlich 4,4 Millionen Euro teuren Umbau samt „grundlegender Neuordnung der Sammlungspräsentation“ gewann 2003 das Berliner Architekturbüro Kuehn Malvezzi. Doch erst 2012 schloss das Museum seine Pforten für die Realisierung des Umbaus. Öffnen sollten sie sich wieder in der ersten Hälfte dieses Jahres, doch das ist nicht geschehen. Nun soll es Herbst werden... (cmx)

Berlin und seine Kulturbaustellen
Berlinische GalerieGeschlossen seit 1. Juli Wiedereröffnung im Frühjahr 2015Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: dpa
26.07.2014 09:40Berlinische GalerieGeschlossen seit 1. Juli Wiedereröffnung im Frühjahr 2015

Friedrichswerdersche Kirche

Geschlossen seit Oktober 2012
Kein Termin für die Wiedereröffnung
Schinkels Friedrichswerdersche Kirche ist seit Oktober 2012 für Besucher gesperrt. Die Staatlichen Museen, die den neogotischen Backsteinbau als Dependance der Alten Nationalgalerie nutzten, mussten die dort gezeigten Skulpturen des frühen 19. Jahrhunderts auslagern, viele davon ins Depot. Beim Ausheben der Baugrube für die benachbarten Kronprinzengärten, einer Luxuswohnanlage der Bauwert Investment Group, hatten sich im Kircheninneren Risse gebildet, Putz fiel von der Decke. Ob und wann die Skulpturen zurückkehren dürfen, kann die Stiftung Preußischer Kulturbesitz derzeit nicht sagen. Nach der Sicherung des Kirchenfundaments auf Kosten des Investors wird nun weitergebaut an den Apartmenthäusern, Anfang 2016 sollen sie bezugsfertig sein. Die mit bis zu 17000 Euro pro Quadratmeter teuren Wohnungen werden mit dem Slogan „Wo Berlins historisches Herz schlägt“ beworben. Was Schinkel sagen würde zu so viel geklontem Klassizismus? (zaj)

Berggruen Museum, Anbau

Geschlossen seit November 2013
Wiedereröffnung im Herbst, ohne Termin
Für Dieter Roth wären es optimale Bedingungen. Der Aktionskünstler liebte den Geruch von Schimmel und das klebrige Gefühl unter den Füßen seines vor Feuchtigkeit strotzenden Hamburger Mini-Museums. Im Museum Berggruen pflegt man ein etwas anderes Verhältnis zum grüngrau blühenden Teppich: Hier herrscht Schimmelalarm im Erweiterungsbau, weil beim Umbau des historischen Kommandantenhauses gepfuscht wurde. Deshalb musste das Dach wieder runter. Die Bilderschätze von Paul Klee mussten ihr neues Refugium wieder verlassen, bevor sie heimisch werden konnten. Dabei hatte das Museum gerade erst zwei Jahre geschlossen, war im März 2013 mit Pomp wiedereröffnet worden – und sein Anbau nach nur einem halben Jahr erneut verrammelt. Wer zu Klee will, der muss nun in die Sammlung Scharf-Gerstenberg gegenüber gehen: Sie gewährt den Werken Asyl. Mindestens bis zum Herbst, dann soll das Haus staubtrocken sein. (cmx)

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