Berlinale 2016 : Berlinale-Retro zeigt deutsche 60er-Jahre-Filme aus Ost und West

Die Retrospektive der 66. Berlinale widmet sich dem deutschen Jahrgang 1966, als junge Filmemacher in Ost und West neue Wege suchten.

Die Spur der Steine. Manfred Krug in seiner Paraderolle als Brigadier Balla in in Frank Beyers Film.
Die Spur der Steine. Manfred Krug in seiner Paraderolle als Brigadier Balla in in Frank Beyers Film.Foto: imago/United Archives

Die Retrospektive der 66. Internationalen Filmfestspiele Berlin widmet sich dem Jahr 1966 und damit einem Wendepunkt im deutschen Kino, der fünfzig Jahre zurückliegt. Damals herrschte Aufbruchstimmung, wie das Festival in einer Mitteilung erläutert: Im Westen stellten sich Autorenfilmer den Widersprüchen der Wirtschaftswunderzeit, im Osten hinterfragten junge Regisseure den sozialistischen Alltag - bis in der DDR infolge des 11. Plenums des Zentralkomitees der SED rund die Hälfte aller DEFA-Spielfilme verboten wurden, die 1966 in die Kinos kommen sollten. Der parallele Aufbruch erfuhr so ein abruptes Ende. Dieser verpassten Chance einer wechselseitigen Rezeption will die Retrospektive nun mit einer Zusammenschau begegnen.
„Die Retrospektive 2016 zeigt das selbstbewusste Aufbegehren und das tastende Erkunden einer Zeit im Umbruch“, sagte Festivaldirektor Dieter Kosslick dazu. Die Schau umfasst rund 20 Spiel- und Dokumentarfilme, Kino- wie Fernsehproduktionen, außerdem werden mehr als dreißig kurze und mittellange Filme in Sammelprogrammen oder als Vorfilme zu sehen sein. Dazu gehören aus der Bundesrepublik Werke wie Peter Schamonis Debütfilm "Schonzeit für Füchse , Volker Schlöndorffs Film "Der junge Törless" und Alexander Kluges "Abschied von Gestern" sowie als DEFA-Produktionen die Tresor- oder Kaninchenfilme "Karla" von Hermann Zschoche, Jürgen Böttchers "Jahrgang 45" oder Frank Beyers "Spur der Steine" mit Manfred Krug als rebellischem Brigadier.

Ein Schwerpunkt ist den Frauenfiguren und Filmemacherinnen in Ost und West gewidmet, mit Werken wie "Fräulein Schmetterling" von Kurth Barthel, DDR, "Es" vom bundesdeutschen Regisseur Ulrich Schamoni, "Playgirl" von Will Tremper und mit frühen Kurzfilme von Regisseurinnen wie Jeanine Meerapfel, May Spils, Helke Sander, Ula Stöckl oder der DEFA-Dokumentaristin Gitta Nickel.

Zur Retrospektive erscheint im Bertz + Fischer Verlag eine Essayband mit teils unveröffentlichten historischen Dokumenten und Fotos, auch zeigt die Programmgalerie des Film-Museums eine Sonderschau mit TV-Sendungen aus dem Jahr 1966. Das New Yorker MoMA ist erneut Partner der Retrospektive und präsentiert die Filme im April 2016. Tsp