Berlinale-Kolumne : Martenstein, die siebte: Gummipenisse

Manchmal gehe ich nach dem Zufallsprinzip in Filme, über die ich fast nichts weiß. Über „Mommy is coming“, Panorama, hatte ich im Programm gelesen: „Frauen gehen Erfahrungen sammeln.“

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Auf der Berlinale unterwegs: Harald Martenstein.
Auf der Berlinale unterwegs: Harald Martenstein.Foto: Thilo Rückeis

In der Schlange standen hauptsächlich ältere Damen, fast keine Männer. Der Film fängt damit an, dass zwei Frauen in Berlin Taxi fahren. Eine holt eine Pistole heraus, streift ein Kondom über den Lauf der Pistole und hat dann mit der anderen Frau im Taxi Sex, und zwar mithilfe dieser Pistole. Sie fahren in einen Klub, wo nur Frauen sind, die aber alle riesige Gummipenisse umgeschnallt haben, damit umherlaufen und es auf eine recht raubeinige Art miteinander tun, also mit Beißen und Schlagen und solchen Sachen. Außer mit den Penissen sind sie mit Eisenketten und stachligen Hundehalsbändern bekleidet. Das alles habe ich so weit verstanden. Aber warum die Frauen über diese Gummiapparate Kondome tun, ist mir schleierhaft. Kann man denn sogar von einem Gummipenis schwanger werden? Oder sich was holen? Das war mir neu.

Die Handlung geht so: Die Mutter der Hauptdarstellerin kommt zu Besuch nach Berlin. Ein junger Typ hat Sex mit ihr. Dass der junge Typ in Wirklichkeit eine Frau ist und der Penis aus Gummi, kriegt jeder mit, bloß die Mutter nicht. Dann setzt die Mutter eine Augenmaske auf und ihre Tochter hat, wieder, ohne dass diese wirklich begriffsstutzige ältere Dame es mitkriegt, ebenfalls Sex mit ihr. Anschließend kommen Interviews mit Frauen, die alle sagen, dass sie gerne mit ihren Müttern Sex hätten. Eine Frau sagt, dass ihre Mutter das aber sehr wahrscheinlich ablehnen würde. Die Botschaft des Films lautet, dass Mütter und Töchter nicht immer am gleichen Strang ziehen.

Nach dem Film traf ich im Aufzug eine Kollegin. Sie sagte: „Dass so ein Film nicht im Wettbewerb läuft, kann ich verstehen.“ Die Schauspielerinnen, fanden wir beide, seien aber schon süß gewesen. Wir unterhielten uns eine ganze Weile über den Film, bis ich die Gummipenisse erwähnte. Da stellte sich heraus, dass die Kollegin gar nicht in „Mommy is coming“ gewesen war, sondern in „Glück“ von Doris Dörrie. Es war eine Nacht der Verwechslungen.

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