"Beste Freunde" im Kino : Komm zurück!

Katharina Wackernagel spielt in der Berlin-Komödie „Beste Freunde“ eine Fotografin, die eifersüchtig auf ihren verliebten Kumpel und Geschäftspartner ist.

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Mark (Sebastian Scharz) und Susi Q (Katharina Wackernagel) in "Beste Freunde".
Mark (Sebastian Scharz) und Susi Q (Katharina Wackernagel) in "Beste Freunde".Foto: Résist Film

Eine Balgerei am Strand. Lachen, Sand, Meeresrauschen. Mark (Sebastian Schwarz) und Susi Q (Katharina Wackernagel) haben Spaß, irgendwo im Süden. Dann will Mark plötzlich weg, Susi noch nicht. Er reißt sich los, sie ruft ihm ungläubig hinterher: „Du gehst ja wirklich.“ Die kleine, mit Wackelkamera eingefangene Szene stammt aus dem Reise-Videoblog der beiden – und sie fasst geradezu hellsichtig den Konflikt zusammen, in den sie bald darauf geraten. Zurück in Berlin, verliebt sich Mark in die Yogalehrerin Vivian (Tina Amon Amonsen). Statt mit Fotografin Susi den nächsten Trip für den Blog zu organisieren, nimmt er einen Lohnschreiberjob an und hat kaum noch Zeit für seine beste Freundin.

Mark will Veränderung, Susi will, dass alles so bleibt, wie es ist. Dieses Leitmotiv zieht sich äußerst plakativ durch die Komödie „Beste Freunde“ von Jonas Grosch und Carlos Val. Einmal schreit Susi ihre Veränderungs-Aversion ganz direkt heraus. Es geht um ihre Wohnung, die saniert werden soll. Strom und Wasser wurden bereits abgestellt, damit sie endlich auszieht. Nur halbherzig schaut sich Susi schließlich nach Jobs um. Ihre eigentliche Mission lautet, Mark zurückzugewinnen. Dafür schreckt sie selbst vor völlig absurden Manövern wie einer erotischen Attacke nicht zurück. Denn Susi steht auf Frauen. Was Mark natürlich weiß ...

Katharina Wackernagel ist klasse als sturköpfige Mittdreißigerin, die nichts vom Erwachsenwerden hält. Man schaut ihr gerne zu, wie sie mit bunter Pudelmütze, ausgebeulten Jeans und Zigarette im Mundwinkel durchs winterliche Berlin stapft oder einen grenzdebilen Dialog mit einem alten Studienfreund (Bjarne Mädel) absolviert. Nur funktionieren zu viele der lustig gemeinten Situationen nicht, weil sie entweder zu umständlich konstruiert oder nicht überdreht genug sind.

Jonas Grosch (Wackernagels jüngerer Bruder) und der Spanier Carlos Val, die auch das Drehbuch geschrieben haben, scheinen eine Art Berliner Variation der Julia-Roberts-Komödie „Die Hochzeit meines besten Freundes“ angestrebt zu haben. Allerdings erreichen sie nie deren Witz und Timing. Und so schwindet allmählich die Sympathie für Susi. Ihr Starrsinn wirkt nur noch egozentrisch, ihre Wedding-Crasher-Aktionen erratisch.

Als Porträt einer orientierungslosen Mittelschichtgeneration ist „Beste Freunde“ aber durchaus gelungen. Wie hier auf die 40 zugehende Berliner in Papas Kanzlei einsteigen oder mittels hektischer Vermählung aus ihrem dauerimprovisierten Lebensstil fliehen, ist gut beobachtet – und bitter.

Kulturbrauerei, Moviemento, Xenon

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