Blockbuster "Prometheus" : Hände weg von der Biomasse

Wo kommen wir her? Wer spielt hier Gott? Und wie gefährlich sind die Glibber-Monster? Ridley Scotts Science-Fiction-Spektakel „Prometheus“ jongliert mit Ursprungsmythen und erklärt nebenbei die Vorgeschichte seines eigenen alten Films, 33 Jahre nach "Alien".

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Begegnung der grünen Art. Michael Fassbender als wohlerzogener, hochintelligenter, aber hinterhältiger Android.
Begegnung der grünen Art. Michael Fassbender als wohlerzogener, hochintelligenter, aber hinterhältiger Android.Foto: Twentieth Century Fox

„Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet. Gigantische Schiffe, die brannten, draußen vor der Schulter des Orion. Und ich habe C-Beams gesehen, glitzernd im Dunkeln, nahe dem Tannhäuser-Tor …“ Der Schlussmonolog des Replikanten in Ridley Scotts „Blade Runner“ zielt ins Herz der Science Fiction: Zum Versprechen dieses Genres gehörte seit seinen Anfängen im Kino das Abenteuer der Fantasie, das große, nie zuvor gesehene Bild.

Gut aufgehoben war es in der Untergattung der Weltraum-Oper, die den entschiedensten Drang in die Ferne und zum Spektakel hat, auf der Suche nach „neuem Leben und neuen Zivilisationen“. Inzwischen ist die Idee freilich etwas in Vergessenheit geraten – weil alternative Gesellschaftsentwürfe in der globalisierten Welt nur noch schwer vorstellbar sind und die Menschheit sich eine Zukunft kaum mehr zutraut. Der heutige Science-Fiction-Film ist in erster Linie Katastrophenkino. Er zeigt keine neuen Welten, sondern unsere alte im Niedergang, geplagt von Viren, Zombies, Armut und ökologischen Fehlentwicklungen. Und E.T., die Aliens, die Fremden? Sind in „Men in Black“ schon so lange da, dass sie sich an den amerikanischen Kaffee gewöhnt haben.

Mit dem im Ausland bereits angelaufenen, von heftigen Werbegeräuschen begleiteten und einem dichten Trailer-Teppich unterlegten „Prometheus – Dunkle Zeichen“ versucht Ridley Scott nun, dem Genre wieder etwas von seinem ursprünglichen Reiz zurückzugeben, von seinem Sinn für Wunder und Wunderliches. Dafür ist der englische Regisseur nicht der schlechteste, schließlich hat er sich mit zwei stilbildenden Science-Fiction-Produktionen in die Filmgeschichte eingeschrieben: mit „Blade Runner“ (1982), einem Vorläufer des Cyberpunk-Kinos, und mit dem modernen Monstermovie „Alien“ (1979), das das Genre auf Jahre hinaus mit dem Horror assoziierte und Heerscharen von wandelbaren, schleimigen Ungeheuern auf den Plan rief.

Darin war die Zukunft zwar auch nicht lustig. Aber die Filme legten es darauf an, den Zuschauer staunen zu machen. Es waren typische Schöpfungen der heraufziehenden, visuell so glamourösen Achtziger, vollgestopft mit „Design“. Luxuriös in ihrem Einfallsreichtum waren sie selbst dann, wenn die Schauplätze heruntergekommen wirken sollten wie die Decks des Frachters Nostromo in „Alien“, dessen Besatzung, angestellt bei einer very big corporation mit einer geheimen Agenda, buchstäblich von ihrem Job aufgefressen wurde.

„Prometheus“ ist weniger ein Prequel als ein Spin-off-Produkt, ein Ableger der „Alien“-Geschichte, die sich bis 1997 unter der Regie von James Cameron, David Fincher und Jean-Pierre Jeunet zur Tetralogie ausgewachsen hatte, die „Predator“Kreuzungen nicht mitgerechnet. Der Plot des neuen Films – die Fans streiten sich darum, ob er 30 Jahre vor dem Original angesiedelt ist – setzt im alten Universum neue Akzente.

Das beginnt schon mit dem klaren, sehnsüchtigen Fanfarenton des Anfangs, der eher an die Intros der von Hoffnung getriebenen „Star Trek“-Serien erinnert als an die sparsame, heimtückische „Alien“-Musik von Jerry Goldsmith. Dazu kombiniert Scott idealisierte Aufnahmen von Bergen und Fjorden: Die Erde in grauer Vorzeit war grandios, aber unbelebt. In diese Prähistorie tritt ein außerirdischer Besucher, der in einem fast religiösen Akt der Selbstaufgabe die Menschheit zeugt – indem er das Wasser mit seiner DNA versetzt und sich auflöst. In seinem Kielwasser wird später ein Raumschiff ins All aufbrechen.

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